1901 - 1931

Schwierige Zeiten für das Güstrower Theater

1902 – 1914 Das Theater erhält eine Gasheizung.

Friedrich Berthold wird für 15 Jahre Direktor.
Berthols Klassikerrepertoire bestand aus 3 bis 4 Stücke pro Spielzeit und meistens wurde an Sonnabenden zu ermäßigten Preisen gespielt.
Alle 14 Tage oder 3 Wochen gab der Direktor an Sonntagsnachmittagen eine Kinderveranstaltung mit einem Repertoire aus der Märchenwelt der Gebrüder Grimm wie Aschenbrödel, Dornröschen, Frau Holle, Hänsel und Gretel, König Drosselbart, Rotkäppchen u.s.w.. Das alles leistete das Güstrower Theater mit einem kleinen  Ensemble von größtenteils jungen, fast in jeder Spielzeit wechselnden Schauspielern.

1912/1913 wurde Hans Albers als jugendlicher Liebhaber und Bonvivant (Lebemann) verpflichtet, die Gage betrug 60 – 120 Mark im Monat mit Umbauverpflichtungen.
25 Jahre später kam er noch einmal an die Stätte seiner ersten Erfolge zurück.
Er besuchte das Theater und hinterließ einen Gruß:

„Zum 110-jährigen Jubiläum meines alten Güstrower Theaters
 und zur Erinnerung an meine Anfängerzeit die allerherzlichsten Grüße“

9.10.1938                                                      Hans Albers
 

Seine Zukunft als deutscher Filmstar nahm also hier in Güstrow seinen Anfang.
Eines seiner bekanntesten Lieder war "Nimm mich mit Kapitän..."


1910 – 1914 Ein Rausch von Musik und Leichtsinn lag über den letzten Vorkriegsjahren. Die Operette war das klingende Symbol der Zeit, etwa 48 Operetten wurden gespielt.

1914 -1918  Es bestanden sehr bald große Schwierigkeiten ein vollständiges Ensemble zusammen zubekommen. Die Männer wurden knapp, die Havemannsche Stadtkapelle löste sich auf. Im 3. Kriegswinter gab es kein eigenes Ensemble mehr.
Die Direktion Berthold hörte nach 15 Jahren auf. Sie hatte etwa 1000 Vorstellungen herausgebracht und damit einen wichtigen Beitrag zum Güstrower Kulturleben erbracht.

1921 bildete sich in Güstrow eine erste niederdeutsche Laienspielgruppe als „Güstrower Volks- und Heimatspiele". Die Darsteller waren Albert Schönrock, Otto Behrens, Anni Jochens, Grete Parlon, Otto Rouvel und Otto Kasten. Sie spielten im Güstrower Theater „Hanne Nüte un de lütte Pudel“ nach Fritz Reuters Verserzählung und das Lustspiel "Dei Kiesbarg" von dem Güstrower Zeichenlehrer und Schriftsteller Wilhelm Zierow, „De rode Unerrock“ und „Kramer Krey“ von Boßdorf. „Ut de Preußentied“ von dem Laager Pastor Carl Beyer. 1923 folgte „Stratenmusik“ von Paul Schureck. 1924 wagten sie sich an hochdeutsche Stücke und überschritten damit fraglos ihre Grenzen. Bald danach löst sich diese verdienstvolle Gruppe auf.
1923 Der letzte Güstrower Theaterdirektor, der als Pächter das Theater auf eigenen Rechnung betrieb, war Paul Nowakowsky. Nowakowsky war Initiator sogenannter „Literarischer Morgenfeiern“ an Sonntagen.

1923/1924 Um die Jahreswende wurde das Theater zu einem Kino umfunktioniert. Der Güstrower Kaufmann Sophius Salomon machte aus dem Stadttheater die „Kammer-Lichtspiele“. Die vorhandene Gasbeleuchtung wurde durch Elektrizität ersetzt.  

1924/1929
Das Güstrower Theater wird zu einer „Filiale des Rostocker Stadttheaters“,
wie bereits im 19. Jahrhundert. Die Rostocker Aktivitäten hielten sich in bescheidenen Grenzen ( eine Vorstellung/Woche). Zwei Gastspiele sind zu erwähnen: das „Pommersche Operettenensemble“ und das "Deutsche Theater zu Lyck" in Ostpreußen.

11.01.1930 Barlach Feierstunde zum 60. Geburtstag des Künstlers mit szenischen Lesungen aus dem Drama „Der tote Tag“.

1928 700 Jahr-Feier der Stadt Güstrow. Zwei große Theateraufführungen „Nibelungen“ Tragödie von Hebbel und „Wallenstein“ von Schiller wurden
dargeboten. Das Güstrower Theater wurde im Oktober 100 Jahrte alt. Am Abend des 12. Oktobers spielten Laiendarsteller im „Erbgroßherzog“ als Beitrag zum Stadtjubiläum das Lustspiel “Höger up“ von John Brinckman.

1930/1931 Eine Sensation wurde die Aufführung der „Dreigroschenoper“ von Brecht/Weil.
Zwei Gastspiele von Paul Wegner mit seinem eigenen „Berliner Ensemble“ fanden in Güstrow statt. Gespielt wurden „Der Vater“ von Strindberg und „Maria Magdalena“ von Hebbel.
Paul Wegner kam in dieser Zeit mehrfach nach Güstrow zu Ernst Barlach, der an einer Porträtmaske des großen Schauspielers arbeitete.

1931 Die Weltwirtschaftkrise erreichte auch das Güstrower Theater. Aus finanziellen Gründen war die Stadt nicht mehr in der Lage, den Vertrag mit der Rostocker Bühne zu erneuern.
Das Güstrower Theater wurde geschlossen.