1945 - 1957

Wiederbeginn des Theaterbetriebes nach Kriegsende, große Renovierung des Theatergebäudes (1955 - 1957), das Theater wird Ernst-Barlach-Theater.


02.05.1945 Kampflose Übergabe der Stadt an die Rote Armee durch mutige verantwortungsvolle Güstrower Bürger
und Besetzung der Stadt durch die Rote Armee. Zu den  23000 Einwohner Güstows waren 12000 Flüchtlinge in die Stadt geströmt. Not und Elend waren groß. Beherzte Antifaschisten bemühten sich um das geistig kulturelle Erbe.
Am 17.05.45 wurde der Auftrag zur Aufstellung eines spielfähigen Theater-Ensembles durch die  sowjetische Militärkommandantur erteilt.

Mitte Mai nahm das Kino "Schauburg" in der Eisenbahnstr. seinen Spielbetrieb wieder auf. 


20.05.45 erste Konzertveranstaltung in einem Theater Norddeutschlands nach Beendigung des Krieges im Güstrower Stadttheater. Hier waren zunächst Umsiedler untergebracht worden.

Wenige Tage später begannen die Schauspielaufführungen.


Am 03.06.1945 fand ein erster "Bunter Operetten-Abend" statt. Die Art Veranstaltungen und Unterhaltungskonzerte
wurden in lockerer Folge dargeboten. 
Der bisherige Bühnenbildner, Otto Kähler" übernahm die Leitung des Hauses.

Auszug aus dem Spielplan Dezember 1945

- Mein Liebster macht Musik  für mich -                         14 Vorstellungen

- Gespenster - Drama von H. Ibsen                                 1 Vorstellung

- Opernabend -                                                                1 Vorstellung

- Der Wald -  Komödie von Ostrowski                              2 Vorstellungen

- Märchenvorstellungen  für Kinder -                              12 Vorstellungen

 

Recherche: Angaben Stadtarchiv Güstrow (Dipl.- Arbeit Jana Hartwig  vom 15.02.1993) 
Das Ensemble war natürlich bunt zusammengesetzt aber voller Elan, erfüllt von frischer Energie, wieder Theater spielen zu können.

24.10.1945  Zum 7: Todestag Barlachs fand eine "Ernst-Barlach-Gedenkfeier " statt. Friedrich Schult sprach über das Leben und Schaffen des Künstlers. Schauspieler lasen aus Barlachs Dichtungen, der zurückgekehrte Pianist Prof. Carl-Adolf  Martienssen  (1881-1955) spielte Brahms und Hindemith.

1946 Der Komponist Rudolf Wagner Regeny  (1903-1969)  übersiedelte nach Güstrow und nahm starken Einfluss auf das Musikleben der Stadt.

10.12.1946 Uraufführung "Vier Szenen mit Musik für die Schaubühne" von R. Wagner-Regeny. 

Mai 1947 Wagner-Regeny verlässt Güstrow und verabschiedet sich mit einem Konzert.

1946/1947 Am Ende der zwei Nachkriegsspielzeiten waren beachtliche Ergebnisse von 465 Aufführungen in Güstrow und auf Abstechern nachzuweisen. Das Güstrower Theater zählte damals zehn- bis elftausend Besucher im Monatsdurchschnitt. Das waren etwa 25 ausverkaufte Vorstellungen pro Monat.
Der Spielplan wurde bereichert durch Aufführungen der "Niederdeutschen Bühne", sowie anderen Veranstaltungen.

1947 Gründung der "Volksbühne" als Organisationsform im Land Mecklenburg.
Hans Amsel Perten wird Erster Vorsitzender. Das Theater soll breitesten Kreisen der Bevölkerung in den Sparten Schauspiel, Oper, Operette zu herabgesetzten Preisen zugänglich gemacht werden.

24.08.1947 Das Stadttheater Güstrow, erhielt als fortschrittlichste Bühne Mecklenburgs den "Gerhard-Hauptmann-Preis".

1948 Währungsreform.
Einrichtung eines Besucheranrechts-Systems.

Okt.1948 aus Anlass des 10. Todestages Barlachs erfolgte die Inszenierung des Barlach-Dramas "Die Sündflut".

22.11.1949 Gastspiel des Landestheaters Wismar mit Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" unter der Regie von Hans Amselm Perten.

1950 ff  In den 1950iger Jahren entwickelte sich das Güstrower Theater auf dem vorgezeichneten Weg mit unterschiedlichem Erfolg und unter der Leutung von schnell wechselnden Intendanten weiter. Das Suchen nach neuen Organisationsformen spiegelte sich auch in der mehrfachen Namensänderung des Güstrower Hauses wieder.
Stadttheater mit dem Zusatz -Landesbühne-
Mecklenburgische Landestheater mit den Zusatz -Volksbühne Güstrow-. 
Landestheater in der Kongressstadt Güstrow

1953 Aufführung von "Höger up" nach John Brinckman durch die Niederdeutsche Bühne unter Ernst Moldt.

1953 -1957 "Theater der Kongressstadt Güstrow"

1955-1957 Rekonstruktion des Theaters, welches den neuzeitlichen feuer- und baupolizeilichen Anforderungen nicht mehr entsprach. 
Vergrößerung der Bühne, Erweiterung der Bühnenausstattung, 488 Sitzplätze, auf Parkett und Balkon verteilt, Zentralgarderobe unter dem Zuschauerraum, in den Pausen als Foyer benutzbar. Die Mosaiken rechts und links der Vorbühne, das Schauspiel und den Tanz darstellend, sowie die Mosaiksäulen im Foyer und die Deckenmalerei über der Mitteltreppe wurden von der Schweriner Künstlerin Vera Kopetz gestaltet. Die Leitung für den großen Umbau oblag dem Güstrower Architekten Rudolf Pilz.

14.11.1955 Ausweichbühne während des Umbaus war der "Große Saal" des Hotels "Stadt Güstrow", jedoch auch der Saal in der Agrar-Ingenieur-Schule Bockhorst wurde anfangs genutzt.