15.08.1957, die Stadtvertretung beschließt die Umbenennung des Theaters der Kongressstadt Güstrow in Ernst-Barlach-Theater Güstrow zum 01.09.1957

 

01.09.1957 zur Erinnerung an die Namensweihe des Ernst-Barlach-Theaters-Güstrow (E-B-T) organisiere der Förderverein am 03.08.2012 eine würdige Erinnerungsveranstaltung 

 

(Die Reaktionen des Fördervereins der Theaterfreunde auf den SVZ-Artikel vom 01.08.2012 „Auf den Spuren von Vera Kopetz“ und dem kurzen Beitrag hierzu in „Güstrow TV“, beide Beiträge entstanden in Zusammenarbeit mit Herrn Christian Menzel, haben diesbezüglichen Erwartungen auf angenehme Weise bestätigt und wir freuen uns, dass der Förderverein des Güstrower Theaters zur Erinnerung an das Datum der Wiedereröffnung des Theaters unter dem Namen Ernst-Barlach-Theater vor nunmehr 55 Jahren auf der Grundlage des Beschlusses der Stadtvertretung vom 15.08.1957  mit dieser Veranstaltung erinnert und uns dazu eingeladen hat.
Keine offizielle Instanz, - die Verwaltung des Landkreises oder die Stadtverwaltung -, hätten von sich aus daran erinnert, dass mit der Namengebung für das Theater seinerzeit eine dauerhafte Ehrung des großen humanistischen Künstlers, der den größten Teil seines künstlerischen Gesamtwerkes in Güstrow schuf, beabsichtigt wurde.
Diesbezügliche Anmerkungen des Dramaturgen Alfred Dreifuß sind in einem Artikel der SVZ vom 01.09.1957 sinngemäß wiedergeben.
Umso mehr erfreut die Initiative des Fördervereins zur Durchführung dieser Erinnerungsveranstaltung.)
 


In der ersten Septemberwoche 1957 fanden laut SVZ vom 12.09.1957 fünf (5!) Premieren in diesem Hause statt („Don Carlos“ zur Eröffnung, „Der Troubadour“ (mit Helge Rosvaenge (dem bedeutendsten Tenor im deutschsprachigen Raum und Auftrittsweltmeister mit 200 Veranstaltungen pro Jahr, dessen Gage die Einnahmen überstieg), „Zwei Engel steigen aus“, „Das Tagebuch der Anne Frank“ u. ein Sinfoniekonzert. 


26.10.1958  Zum 20.Jahrestag fand eine "Barlach Matinee" statt. Mit der Wiedereröffnung wurde der Abstecherbetrieb aufgegeben. Das Anrechtssystem wurde auf den Kreis Güstrow und die Nachbarkreise Bützow, Lübz, Malchin, Sternberg, Teterow und Waren erweitert. Die Besucher wurden mit Zubringerbussen in das Theater gebracht.

1957 -1963 brachte das E-B-T 20 der berühmtesten Opern des Weltrepertoires auf die Bühne. Das war eine gewaltige Leistung .eines so kleinen Theaters.

11.12.1957 ein Höhepunkt unter den Aufführungen war an diesem Abend die Mitwirkung von drei prominenten Gästen in der Oper "Troubadour".
Hanne-Lore-Kuhse (1925-1999) aus Schwerin
Helge Rosvaenge (1897-1972) und Robert Lauhöfer  (1929-    ) beide aus Berlin.

13.06.1963 letztes Konzert des Güstrower Theaterorchesters mit der Abschiedssinfonie von Josef Haydn, in der am Schluss ein Musiker nach dem anderen sein Spiel abbricht und die Bühne verlässt. 

Im Zuge einer Reorganisation des Theatersystems der DDR wurde eine Reihe kleiner Bühnen unter ihnen außer Güstrow auch Wismar und Putbus aufgelöst und größeren Theatern angeschlossen. Für Güstrow schien der Anschluss an das Volkstheater Rostock die beste Lösung zu sein.

01.09.1963 Festwoche mit 5 Premieren:
Zauberflöte, 
Troubadour,
Die  schöne Galathe,
Es müsste Bischöfinnen geben,
Geliebter Lügner.

27.10.1963 Gedenkfeier zum 25 Todestag Barlachs. Die Gestaltung der Feier erfolgte durch die Deutsche Akademie der Künste Berlin und dem Rat der Stadt Güstrow. Unter den Teilnehmern Marga Böhmer und Friedrich Schult.
Protagonisten des Rostocker Schauspiels zu dieser Zeit:
Senta Bonnacker, Erika Dunkelmann, Christiane von Santen, Katrin Seybert, Ralph Borgwardt, Wolfgang Greese, Siegfried Kellermann, Gerd Michel, Eberhard Schmidt, Ulrich Voß, Hermann Wagemann und Kurt Wetzel..
1963-1970 Philharmonisches Orchester unter GMD Puls gab in jedem Winter 6 bis 8 Sinfoniekonzerte.

02.10. 1965 Erstaufführung des Dramas "Der arme Vetter" von Ernst Barlach.

Oktober 1970 Feierstunde zum 100 Geburtstag Ernst Barlachs.
Festredner Bernhard Quand, 1. Sekretär der Bezirksleitung Schwerin der SED
Fritz Cremer, Bildhauer aus Berlin.

nach 1970 Theatergastspiele aus Rostock erfolgen immer seltener. Die Anzahl der Anrechte nahm auffallend ab. 

1973 Landestheater Parchim übernahm die Güstrower Bühne.

1973-1977 durch das umfangreiche "Kulturangebot der Stadt Güstrow" wurde das alte Güstrower Theater in den Hintergrund gedrängt.

01.01.1976 Das Theater wird in ein Gastspieltheater umgewandelt und in die Verwaltung des Rates des Kreises Güstrow übernommen. Der Direktor war Günter Ebert.  
Nach 12 Jahren des Anschlusses an das Volktheater Rostock wurde damit die juristische Selbständigkeit es E-B-T wieder hergestellt. Es bleibt nach wie vor ein Theater ohne eigenes Ensemble.
Hieran hat sich bis zur Wende und auch danach nichts geändert

Die  lange Tradition des Güstrower Theaters und die immer wieder öffentlich erörterte Gefährdung seiner weiteren Existenz, wegen fehlender Finanzen, erfordern stets ein dauerhaftes gemeinsames Handeln in allen das Theater angehenden Fragen, um es für die Region dauerhaft zu erhalten.


Viele Güstrower Bürger und Theaterfreunde, von denen sich die gegenwärtig aktivsten in dem Theater-Förderverein organisierten, haben nach der Wende gegen manche Widerstände und Zwänge in den Verwaltungen der Stadt, des Landkreises und des Landes das Güstrower Theater zwar nicht vor Etat-Kürzungen und damit verbundenen wirtschaftlichen und strukturellen Veränderungen, jedoch möglicherweise vor einer Schließung schützen können.

Der intime Charakter des inzwischen klimatisierten Güstrower Theaters wird nicht nur von den Besuchern sondern auch von vielen Gast-Künstlern sehr geschätzt.

Nachtrag vom 01.09.2021 zum Eintrag vom 01.09.1957 
Sehr geehrte Besucher dieser WEB-Seite,  
der nachstehende unsignierte Text wurde von  F. W. Otto anlässlich des Umbaus und der Wiedereröffnung des Güstrower Theaters als Ernst-Barlach-Theater geschrieben und sicherlich irgendwo veröffentlicht.
Das Manuskript des Textes stammt aus dem Nachlass der Künstlerin Vera Kopetz. Ich gelangte durch deren Sohn Michael Kopetz in den Besitz dieses Schreibens und bin sicher, dessen Erwartungen gerecht zu werden, nämlich „etwas (damit) anfangen“ zu können, indem ich diesen Text an dieser Stelle nach 64 Jahren erneut veröffentliche.

 

Der Autor des Textes konnte mit Unterstützung durch mehrerer Leser ausfindig gemacht werden.

Friedrich Wilhelm Otto (* 1897 † 1985) war Wismarer und ein führendes Mitglied der LDPD  in der der DDR.
Otto gehörte dem mecklenburgischen Landtag und später dem Bezirkstag Rostock an. 


Der Demmler-Bau hat eine gründliche Umgestaltung erfahren, die nunmehr zum Abschluss gekommen ist.  Mit dem ersten Bauabschnitt hatte man im Jahre 1955 begonnen und das Bühnenhaus unterkellert, wodurch unter anderem die so notwendigen Aufenthalts- und Garderobenräume für das Orchester geschaffen wurden.
Die Bühne selbst ist von 150 qm auf 200 qm vergrößert worden, wodurch die technischen Möglichkeiten erheblich verbessert wurden. Die Höhe des Bühnenraumes beträgt nunmehr das eineinhalbfache der Bühnenöffnung. Es ist eine Unterbühne geschaffen, sowie drei Elektrozellen, die die Beleuchtungszentralen des Hauses bergen. Notwendige Sicherungen, bezüglich Feuerschutzes, haben eine entsprechende Berücksichtigung gefunden. Aber auch der vordere Teil des Theaters hat eine durchgreifende Veränderung erfahren. Durch einen geschickt sich in die saubere Stilform des Hauses einfügenden Vorbau ist genügend Platz gewonnen worden, um die bisher so unzulängliche Anlage der Kassen- und Garderobenräume (für die Besucher) in eine günstige Form zu bringen. Gerade diese Veränderung ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert, weil sich dadurch der Gesamtcharakter des Hauses gewandelt hat. Sofort beim Betreten des Theaters gelangt man in eine intime Kassenhalle und von dort über eine geräumige Mitteltreppe in die zentral gelegenen Garderobenräume im neu gewonnenen Untergeschoss. Vier Säulen mit betont schöner Mosaikverkleidung tragen die Deckenlast. Edle Mahagonihölzer umsäumen die Garderoben-Ablagen, die während der Vorstellung durch Vorhänge geschlossen sind, so dass dieser zugleich als Foyer dient. An Sommertagen steht auch der über den Vorbau gewonnene Balkon den Besuchern zur Verfügung. Ungemein ansprechend ist die Farbgestaltung der Räume, das Ergebnis kollektiver Zusammenarbeit zwischen dem Architekten Rudolf Pilz Güstrow und der Malerin Vera Kopetz Schwerin, die das Gemälde schuf, das in der Deckenwölbung der Mitteltreppe den Besucher mit seiner heiteren Thematik grüßt. Von erlesenem Geschmack sind ferner die Leuchten, die durch die indirekte Wirkung die Intimität des Charakters noch unterstreichen. Zwei breite Seitentreppen führen sodann in das Parterre und Rang. Der Zuschauerraum selbst hat ebenfalls eine räumliche Veränderung erfahren und in enger Zusammenarbeit mit dem Heinrich Hertz Institut Berlin, vertreten durch den Architekten Meyer, eine akustische vorbildliche Lösung gefunden. Der Zuschauerraum ist in ruhigen Farbtönen gehalten, sodass alles der Konzentration auf das Bühnengeschehen dient und bietet fast 500 Personen Platz, wobei in den vorderen Reihen eine technische Vorrichtung eingebaut ist, um Schwerhörigen den Besuch der Vorstellungen zu erleichtern. Als einzigen Schmuck flankieren seitlich der Bühne zwei Mosaiken nach Entwürfen von Vera Kopetz den Raum. Hier zeigt sich das glückliche Zusammenwirken von Architekten und bildenden Künstler. Die Mosaiken in ihrer strengen Diszipliniertheit sind aus durchgebildeten Formwillen entstanden, wie er den gesamtweg dieser Künstlerin eigen ist. Von allem Zufälligen gereinigt sind hier in Allegorien die Grundelemente der Bühnenkunst, die ernste und die heitere Muse der Tanz und der Gesang dargestellt und in ebenso schöner, wie unaufdringlicher Form, wiedergegeben. Die Mosaiken sind nach Vorentwürfen von Neidhard und Zimmermann von der auf diesem Gebiet so bewährten Firma Jungebloedt in Stein gesetzt worden.

Das Ernst-Barlach-Theater wird am 1. September in einer Festaufführung mit Friedrich Schillers „Don Carlos“ eröffnet. Die Güstrower haben mit der Neugestaltung dieses Hauses einen Kunsttempel bekommen dessen Schönheit zur Leistung verpflichtet und dadurch die Zahl der Besucher eine Steigerung erfahren wird.   F. W. Otto