15.16 Trinkbecher für den Güstrower Ratssilberschatz

Der letzte Goldschmied der
Zinngießer-Dynastie,
Fritz Commentz 

Der Rat der Stadt Güstrow ert­­eilte 1926 und 1928 Güstrower Goldschmieden den Auftrag zur Herstellung je eines Trinkbechers zur Erweiterung des Brinckmanschen Ratssilberschatzes





Fritz Commentz 
der letzte Wappengießer Mecklenburgs 
verstarb 1945

In der Stiftungsordnung für den Silberschatz von 1905 (siehe unter Tz.15.11 dieser WEB-Seite)  war festgelegt worden, dass mit der Abbildung des Angesichtes auf einem Becher jeweils die Verdienste einer ehrenwerten Person gewürdigt werden sollten. Auf dem 1926 zu fertigenden Trinkbecher sollte nun das Porträt des Stifters des Brinckmanschen Ratssilberschatzes, Max Brinckmans, abgebildet werden. Der Auftrag wurde 1926 dem Güstrower Goldschmied Max Konrad Heinrich Fritz Commentz erteilt. Die Begleichung der Ausgaben hierfür sollten traditionell jeweils von den Zinszuwächsen des Stiftungskontos erfolgen, welches von Max Brinckman bei der Schenkung des Silberschatzes an den Rat mit einem Betrag von 1000 Reichsmark eröffnet worden war.
Der Stifter Max Brinckman wollte keinesfalls, dass die Ausgaben für den ihm zu Ehren geschaffenen Becher von diesem Konto beglichen werden sollten. Er veranlasste die Rechnungslegung zu seinen Lasten und übernahm die Kosten persönlich.
Die Ausführung der Arbeiten für den Ehrenpokal für den geachteten Güstrower Musikdirektor Schondorf (Stifter John-Max Brinckman, Sohn von Max Brinckman (!)) wurde durch den Rat der Stadt Güstrow dem Goldschmiedemeister Carl Eichholz übertragen.

Die Geschäfte und Werkstätten dieser beiden Güstrower Juweliere und Goldschmiede werden   heute noch von Goldschmieden der Familie Grabbe genutzt (Markt 4 und Pferdemarkt 6).
 Nach dem Ableben von Fritz Commentz, dem letzten in Güstrow tätigen Goldschmied und Zinngießer der Linie Commentz, erwarb der Teterower Goldschmiedemeister Meier dessen Geschäft und vererbte dieses später an seine Tochter, Hannelore Grabbe, geb. Meier.
Der Sohn der Eheleute Grabbe, Thomas Grabbe, wurde ebenfalls Goldschmied. Damit wird noch heute in beiden Häusern die Tradition des Goldschmiede-Handwerks fortgesetzt.

Aus Zeitungsartikeln, handschriftlichen Notizen, Literatur und Fotografien, die mir durch die I Familie Grabbe zugänglich gemacht wurden, erfuhr ich Interessantes über die       Familiengeschichte der Handwerker-Dynastie Commentz. Aus den Unterlagen konnte ich entnehmen, dass die Vorfahren von Fritz Commentz Goldschmiede, Zinngießer und Wappenschmiede waren. Mit seinem Tod im Jahre 1945 war auch der letzte mecklenburgische Zinngießer und Wappenschmied verstorben.

Dieses Quellenmaterial regte mich zu weiteren Recherchen an.
Ich erfuhr von Herrn Horst Alsleben, dem kompetentesten Ansprechpartner für alle Belange, die die Klosteranlage Dobbertin betreffen, u.a. das Nachstehende 2).
Seit Jahrhunderten haben die Vorfahren des letzten mecklenburgischen Zinngießers Commentz, Wappenschilde in der herzoglichen Residenz Mecklenburgs gefertigt. 6)
In Zunftunterlagen der Zinngießer wurden seit 1821 die folgenden Namen der Familie Commentz genannt. Es folgte jeweils ein Sohn dem traditionellen Beruf seines Vaters.  
- Johann Peter Christian Commentz (geb. 08.12.1794 in Güstrow, gest. 07.03.1863 in Güstrow), 
  Bürger der Stadt Güstrow, Ablegung des Bürgereides 1821, Gold- und Silberarbeiter.
- dessen Sohn Friedrich Albert Eduard Commentz, (geb. 02.10.1829 in Güstrow, gest. 
  03.02.1869 in Güstrow), Bürger der Stadt Güstrow, Ablegung des Bürgereides 1856, Gold-
  und Silberarbeiter.
- dessen Sohn Georg Johann Christian (geb. 27.06.1859 in Güstrow, gest. 07.07.1915 in
   Güstrow),  Ablegung des Bürgereides 1891, Goldschmied.
- dessen Sohn Max Konrad Heinrich Fritz (geb. 20.06.1895 in Güstrow, gest. 25.10.1945 in  
  Güstrow), Goldschmied
Die Kunsthandwerker der Familie Commentz entwickelten über viele Generationen eine enge Beziehung zu den Klöstern Dobbertin, Ribnitz und Malchow, die ab 1552 infolge der Reformation adlige Damenstifte wurden. Horst Alsleben berichtete für das Mecklenburg Magazin. 3)
„Da die Commentz schon seit zwei Jahrhunderten als einzige die Adelswappen Mecklenburgs anfertigen, kommt es, dass die Formschränke des Hauses auch die alten, schon vor Jahrhunderten verwendeten Formteile enthalten.
Aus Sandstein, Schiefer und Gusseisen
bestehen diese Formen.



Gussformen für die Wappenherstellung

Das Wappenregister des Großherzogs wurde bei Opitz & Co in Güstrow 1893 gedruckt

Die Güstrower Wappenschmiede gehörten lange zum Amt der Rostocker Zunft 

Die Familie Commentz war alleinig zum Gießen von Adelswappen für die Konventualinnen dieser Einrichtungen berechtigt. Sie fertigten als einzige Zinngießer Mecklenburgs die Wappen derer Adelsfamilien an, die z. B. im Kloster Dobbertin früher auf Eichenholzleisten in zehn Reihen übereinander an der Süd- und Westwand befestigt waren. Nach einer Kirchenrestauration im Jahre 1857 wurden sie an den Gebetslogen der Nonnenempore angebracht. Im Kloster Dobbertin befanden sich nach den Forschungen von Jürgen Luttmann einst 150 Wappen von 84 mecklenburgischen Adelsgeschlechtern. Nach einer Auswertung von 227 Abbildungen konnte er 104 Wappen der Werkstatt Commentz zuordnen. 4)
Die Kunst des Wappengießens verlangte neben den heraldischen Kenntnissen größte Sorgfalt und höchstes handwerkliches Können. Das Wappen von Magdalene von Bülow besteht zum Beispiel aus 28 Einzelteilen. Die Übertragung dieser handwerklichen Fähigkeiten innerhalb der Familie Commentz von den Vätern auf die Söhne wurde auch durch strenge Zunft-Regeln des Güstrower Amtes der Zinngießer gewährleistet.
Friedrich Schult  bemerkte zu den „…von den Klosterwänden grüßenden (Wappen) ein einziger und wunderlicher Fall, dass mit dem alten Zweck die alten Mittel unverändert ausgehalten“. 5)
Alle wichtigen Details zur Beschaffenheit der Wappen der Adelsfamilien waren in einem
„Mecklenburgischen Wappenbuch“ enthalten, dass als Vorlage für die Zinngießer wichtig war.
Die Wappenhängungen in den Klöstern und Stiften regelten die jeweiligen Hausordnungen. Was die Aufbewahrung der Gussformen angeht, kann je Wappen von einer Anzahl von acht bis zehn Formteilen ausgegangen werden. Damit mussten Hunderte oft sehr ähnliche doch immer verschiedene Formen über lange Zeiträume bei den Commentz archiviert werden. 3)
Ein eigenes selbstständiges Amt der Kannengießer gab es schon 1661 in Güstrow. In der herzoglichen Verordnung des Jahres 1814, von Friedrich Franz, steht im § 1 geschrieben: „Es soll in Güstrow ein eigenes ungeschlossenes Zinngießeramt sein, in das jeder, wenn dies nicht ausdrücklich verboten, eintreten kann…“.  Bis dahin waren die Güstrower Zinngießer in die Zuständigkeit des Amtes Rostock eingebunden.

Es soll noch erwähnt werden, dass auch der Tugendorden „Pour la vertu“ (Für die Tugend), der von den Konventualinnen der Klöster zu festlichen Anlässen angelegt wurde, aus der Werkstatt der Kunsthandwerker, Zinngießer, Goldschmiede und Juweliere Commentz stammte. Er war das einzige Erzeugnis der Werkstätte Commentz, welches in geringer Stückzahl und bei vollständiger Ähnlichkeit im Voraus angefertigt wurde. Getragen wurde der Tugendorden an verschiedenfarbigen, gesäumten Schulterbändern.
Blau mit weißer Einfassung stand für das Kloster Dobbertin, Rot mit weißer für das Kloster Malchow und Weiß mit roter Einfassung für das Kloster Ribnitz

              Gnadenkreuz                                       Ordensstern