15.2 Über das Stammbuch eines "der Apothekerkunst beflissenen" Bürgers namens George Friedrich Pirscher aus Sommerfeld in der damaligen brandenburgischen Provinz Niederschlesien im Königreich Preußen (heute Lubsko in Polen).


Die Besitzer des Stammbuches
George Friedrich Pirschers,
Kerstin und Michael Müschner, 2015 zu  Besuch im Stadtarchiv  Güstrow.
Das Stammbuch enthält 53 Eintragungen die in der Zeit zwischen 1770 und 1778 in Güstrow erfolgten.

Vorbemerkungen: 
Mit dieser Studie ermöglichen wir einen Rückblick in den Güstrower Bekanntenkreis eines gebildeten preußischen Bürgers, welcher zwischen 1770 bis 1778 in unserer Heimatstadt Güstrow mit Unterbrechungen lebte und engere Bekanntschaften zu ca. 50 Güstrower Einwohnern und Besuchern Güstrows unterhielt. Dieses Stammbuch gehörte einst, wie sein erster Eigentümer zu Beginn des Buches erklärte, dem "der Apothekerkunst beflissenen" George Friedrich Pirscher, der sieben Jahre mit Unterbrechungen in Güstrow lebte und aus Sommerfeld in der damaligen preußischen Provinz Brandenburg in der Niederlausitz (jetzt Lubsko in Polen) stammte. Dieser Blick in das Stammbuch des George Friedrich Pirschers, wurde uns durch einen in Berlin lebenden Nachfahren ermöglicht. Dieser erbte das Buch von einer Tante, die aus der weiblichen Nachkommenschaft des Bruders des ersten Eigentümers stammte. G. F. Pirscher selbst blieb unverheiratet und kinderlos. Eine lückenlose Rückverfolgung dieser Linie ist dem jetzigen Eigentümer des Stammbuches, Herrn Michael Müschner, nicht gelungen und ist auch durch uns nicht vordergründig beabsichtigt. Herr Müschner, der unsere Internetseite (www.stadtgeschichte-guestrow.de) besuchte, wurde durch unsere stadtgeschichtlichen Aufzeichnungen zu einer Kontaktaufnahme mit uns angeregt und hat uns über seinen Familienschatz zum Jahresbeginn 2015 sehr detailliert informiert. Er erhoffte durch uns Hinweise auf das Leben und Wirken seines Ahnen in Güstrow zu erhalten. Seine Informationen fanden wegen der namentlichen Benennung von ca. 50 Personen aus dem Umfeld seines Vorfahren mit Beziehungen zu Güstrow auch unser stadtgeschichtliches Interesse. Unsere erwartungsvolle Einbindung in Nachforschungen zum Leben und Wirken George Friedrich Pirschers in Güstrow durch Herrn Michael Müschner, erforderte von uns die Beschäftigung mit Personen und deren Lebensverhältnissen in unserer Heimatstadt zwischen 1770 und 1778, also der Zeit des Spätbarocks und des Übergangs zum Rokoko.

Mit solcher Art Recherchen zu einer Gruppe von Personen bewegten wir uns auf Neuland. Bislang stand meistens die Beschäftigung mit der Technikgeschichte und Einzelpersonen in unserer Region im Mittelpunkt unserer geschichtlichen Studien. Die Wenigsten von uns können es sich heute vorstellen, dass auch einmal Männer mit gepuderten Perücken (mit Zopf!) und Frauen mit Reifröcken durch Güstrows Straßen spazierten. Uns

ging es ebenso.

Zur Erinnerung:
Informationen zu den gesellschaftlichen Verhältnissen in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts im damaligen Herzogtum Mecklenburg-Schwerin.


- Im Herzogtum Mecklenburg-Schwerin regierte in der Zeit von 1756 - 1785 Herzog Friedrich der Fromme (1717 – 1785), Sohn seines Vorgängers, Herzog Christian Ludwig II., der seine Mecklenburger tüchtig ausbeutete, damit er seine Haushaltung am Hofe des französischen Sonnenkönigs Ludwig des XIV. ansehnlich gestalten konnte. 


Es ist bekannt,

- dass die beiden mecklenburgischen Herzogtümer durch einen internen Erbvertrag, Preußen an einer beabsichtigten direkten Machtübernahme in Mecklenburg gehindert hatten.


- dass durch ein Abkommen auf Initiative Preußens, unter Umgehung eines europäischen Krieges, die Aufteilung Polens auf Russland, Preußen und Österreich geregelt worden war.


- dass der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwischen Österreich und Preußen, mit dem Charakter eines Weltkrieges, alle europäischen Mächte und die Bevölkerung Europas katastrophal geschwächt hatte.


- dass die Auseinandersetzungen sehr stark die preußische Provinz Schlesien betrafen, in der auch G. F. Pirscher aufwuchs und meistens lebte.


- dass gegen Friedrichs Widerspruch Mecklenburg-Schwerin auf Grund des Reichsrechts von preußischen Truppen besetzt wurde. Da Herzog Friedrich der Fromme  den Schweden den Durchzug durch Mecklenburg-Schwerin erlaubte, stellte er sich direkt gegen Preußen und war dadurch passiv in den Siebenjährigen Krieg hineingelangt. Daraufhin musste er sein Land zwischen 1757 bis 1763 verlassen und hielt sich in Lübeck auf. Nach dem Friedensschluss musste Mecklenburg-Schwerin hohe finanzielle Abgaben an Preußen entrichten. Weil die Stadt Rostock die Zahlungen verweigerte, verlegte Friedrich 1760 einen Teil der Rostocker Universität nach Bützow.


- dass Herzog Friedrich seit seiner Eheschließung (1764) mit Louise Friederike, Tochter des Erbprinzen Ludwig von Württemberg-Stuttgart, seine Residenz von Schwerin nach Ludwigslust verlegte. .


- dass es kein politisches Parlament in Mecklenburg gab. Zur Beratung und Meinungsbildung tagte im Rhythmus von zwei Jahren ein gemeinsamer Landtag des Adels beider Mecklenburgischen Herzogtümer im Wechsel zwischen Sternberg und Malchin.


- dass der Bürgermeister der Stadt Güstrow von 1751 bis 1800 Dr. Joachim Spalding war.

Einige berühmte Personen, die um 1770-1778 in Mecklenburg lebten.


- In Ludwigslust schufen der Baumeister Johann Joachim Busch (1720-1802) und der Papierfabrikant Johann Georg Bachmann (1738 – 1818) einen prunkvollen Herrschersitz für Herzog Friedrich aus Sandstein und Pappmache.


- Georg Leberecht Blücher (1742 – 1819), geriet als schwedischer Husarenjunker während des Siebenjährigen Krieges in preußische Gefangenschaft und wurde für das Heer der Preußen angeworben. Nachdem er wegen Meinungsverschiedenheiten mit einem Vorgesetzten um 1773 seine Entlassung als Rittmeister aus dem preußischen Heer erwirkte, arbeitete er als Ökonom.


- Johann Heinrich Voß (1751 – 1826), Hauslehrer bei von Oertzen in Ankershagen, übersetzte später Homers Ilias.


- Sophie Charlotte zu Mecklenburg- Strelitz (1744 – 1818) lebte zunächst in bescheidenen Verhältnissen in Mirow. Die Schwester des Herzogs von Mecklenburg-Strelitz wurde von Madame de Grabow, einer gebürtigen Güstrowerin, unterrichtet. Charlotte beherrschte mehrere Sprachen, war naturwissenschaftlich und musisch gebildet und hatte sich in einem Brief an den preußischen König kritisch über das Benehmen seiner Soldaten in ihrem Land beklagt. Hiervon erfuhr der englische Prinz George und nahm ihre Haltung zum Anlass, um durch einen Gesandten um ihre Hand anhalten zu lassen. Ein Ehevertrag kam zustande und 1761 wurde die Ehe geschlossen.


- Ein interessantes Abbild der Lebensverhältnisse in der Region um Güstrow vermittelte seinerzeit der englische Gelehrte und Historiker Thomas Nugent. Ihm war die mecklenburgische Geschichte bereits aus früheren Studien bekannt, als er 1766 die Heimat der späteren englischen Königin Charlotte bereiste. Diese war am 19.05.1744 als Sophie Charlotte, Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, in Mirow geboren. 1761 wurde sie durch die Heirat mit dem englischen König George III., als Königin Charlotte, Königin von Großbritannien und Irland und Kurfürstin (später auch Königin) von Hannover. Vor dieser Verbindung interessierten sich die Briten für die beiden mecklenburgischen Residenzen.

- Mehrere Monate bereiste Thomas Nugent die beiden Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz. Er hielt sich unter anderem in Wismar, Ludwigslust, Schwerin, Rostock, Doberan, Güstrow, Bützow, Wa(h)ren, Neustrelitz, Mirow und Neubrandenburg sowie in vielen kleinen weiteren Orten auf.

Ein Ausflug zu Fuß führte ihn auch von Güstrow über Bülower-Burg nach Bülow.

Er schrieb hierüber in „Reisen durch Deutschland und vorzüglich durch Mecklenburg“ in seinen 1781/82 in deutscher Fassung veröffentlichten Reisebriefen an einen Freund (zuletzt herausgegeben von Sabine Bock 1998 im Schweriner Verlag Thomas Helms erschienen).

 

 „Auf halbem Wege trafen wir auf einen angenehmen Lustort, der Brunnen (bei Güstrow in der Nähe Bülow-Burgs - die Autoren-) genannt, der von einer vortrefflichen und sehr gesunden Quelle, die in dieser Gegend entspringt, den Namen haben soll. Inzwischen wird dieser Ort doch nur vorzüglich, um des schönen Weins willen, den man hier haben kann, besucht, und auch wegen der vortrefflichen Alleen und Spaziergänge, die hier dicht, an einem angenehmen See liegen“.

 

Allgemeines zu Stammbüchern:

In Stammbüchern versicherten sich Personen ihrer gegenseitigen Wertschätzung und Freundschaft.

Hierzu wurden die autographischen Eintragungen teilweise neben schmuckvollen Handschriften oft auch mit zeichnerischen Aussagen verziert. Diese Eintragungen kamen nach der Reformation in Mode und waren daher zunächst bei protestantischen Studenten bis Anfang des 19. Jahrhunderts ausgeprägt. Die später aufkommenden Poesiealben weisen mit den Stammbüchern Ähnlichkeiten auf. Die eigenhändig signierten Eintragungen erfolgten meist anlässlich besonderer Ereignisse. Wir können uns z. B. an Eintragungen in Poesiealben anlässlich der Konfirmation, des Schulabschlusses und Geburtstagen erinnern, die uns unsere Eltern, vorwiegend die Mütter zeigten.

Indem man (oft gegenseitig) ein Blatt in einem Album ausfüllte, wurden Wertschätzung und Freundschaft bekundet. Diese Eintragungen konnten, etwa bei einem Wiedersehen oder aus Anlass eines Festes, bestätigt werden. Auf diese Weise hatten die Besitzer der Stammbücher bis an ihr Lebensende eine autographische, oft gereimte, Erinnerung an vergangene Lebensabschnitte und an Personen mit hohem Ansehen, die sie selbst verehrten und wertschätzten.


Über das Stammbuch G.F. Pirscher

Das Original-Stammbuch des G.F.P., in den Abmessungen 16,5 cm x 21 cm, enthält ca.300 Blätter und ist von über 70 Personen mit oft nur schwer entzifferbaren handschriftlichen Eintragungen in vorwiegend deutscher Schrift verfasst worden. Aber auch in Französisch, Latein, Italienisch und Hebräisch erfolgten Eintragungen. Es enthält weiterhin ca. 20, (mit drei Ausnahmen) nicht signierte bildliche Darstellungen, die wiederum nur teilweise in Beziehung zu den benachbarten Texten stehen. Mehr als die Hälfte der ansonsten sporadisch beschriebenen Seiten blieben leer. Alle 79 handschriftlichen Eintragungen wurden von uns, bzw. mit Unterstützung durch Frau Ingeborg. L. aus Güstrow transkribiert. Die 53 in Güstrow vorgenommenen Eintragungen wurden durch uns besonders analysiert.


In dem Namensverzeichnis Güstrower Apotheker, welches der Güstrower Stadtgeschichtler Wilhelm Mastaler einst erstellte und welches im Güstrower Stadtarchiv “Heinrich Benox“ vorliegt, befindet sich kein Hinweis auf einen Apotheker George Friedrich Pirscher.

Wir suchten also weiterhin nach Spuren des G.F.P. in Güstrow und bemühten uns auch weiterhin Angaben zu den Familien zu finden, von denen Angehörige Eintragungen in diesem Stammbuch vornahmen. Die Ergebnisse unserer Nachforschungen erfüllten unsere Erwartungen anfangs nicht bzw. nur teilweise. Wir setzten und setzen unsere Nachforschungen jedoch dennoch fort. Wir wissen durch unsere umfangreichen Recherchen mit Unterstützung der Universitätsbibliothek Rostock lediglich, dass ein möglicher Vorfahre mit dem Namen Tobias Pirscher aus Grünberg 1649/1650 für ein Wintersemester an der Universität in Rostock, unter Nr. 30 immatrikuliert war. 

Über den George Friedrich Pirscher selbst ist uns erst kürzlich, nach einer Recherche von Michael Müschner im Grünberger Wochenblatt, Ausgabe vom 19.04.1828 Nr.16, bekannt geworden, dass er nach seiner Deutung am 04.02.1747 geboren wurde und am 13.04.1828 verstarb. Er blieb unverheiratet und kinderlos. Er will ab 1770 nach seinen eigenen Angaben Apotheker in Güstrow (Herzogtum Mecklenburg-Schwerin) gewesen sein. Sein Bruder Samuel, Traugott, Friedrich Pirscher besaß eine Tischlerei in Sommerfeld, die er von dem Vater geerbt hatte. Der Name des Vaters war Johann Fridrich Pirscher, er war ebenso wie sein Vater und Großvater Bürger und Tischlermeister in Sommerfeld. Diese Angaben konnten wir spärlichen Anmerkungen des Vaters und Urgroßvaters des jetzigen Eigentümers des Stammbuches, entnehmen.

Weil George Friedrich Pirscher keine eigenen Nachkommen hatte, überließ er am 01.10.1818, lt. Berlinschen Nachrichten Nr. 121, vom 08.10.1818, die Apotheke seinem Neffen Gotthilf Walther.

Unsere Nachforschungen waren vordergründig darauf gerichtet, Erkenntnisse über die sozialen Beziehungen zwischen einer Gruppe von Güstrower Bürgern, Einwohnern, die nicht Bürger Güstrows waren und Besuchern Güstrows der Jahre 1770 bis 1778 zu erhalten. Dazu nutzten wir eine Liste von Bürgeraufnahmen in der Stadt Güstrow, die Franz Schubert aus Göttingen 1994 veröffentlichte. Der frühere Stadtsekretär Heinrich Benox, Namensgeber des Güstrower Archivs, hatte zuvor 1933 ein alphabetisches Verzeichnis unter Verwendung "Güstrower Bürgermatrikel von 1600 bis 1700“ angelegt und durch die Zusammenführung mit dem „Repertorium der in Güstrow seit dem Jahre 1700 aufgenommenen Bürger“ ein wertvolles Nachschlagewerk geschaffen. Alle verwendeten Verzeichnisse liegen im Güstrower Stadtarchiv „Heinrich Benox“ vor. Diese Ausführungen machten deutlich, dass bei den Bewohnern Güstrow zwischen Bürgern, die z. B. Abgaben (Bürgergeld, Steuern ect.) entrichteten und übrigen Einwohnern, unterschieden wurde. Durch den Vergleich der Angaben im Stammbuch George Friedrich Pirschers mit der Liste der Bürgeraufnahmen (alphabetische Namensliste) von F. Schubert, konnte erkannt werden, dass von den ca. 50 in Güstrow getätigten Eintragungen nur 11 nachweislich von Güstrower Bürgern vorgenommen wurden. Wenngleich auch weitere Übereinstimmungen bei Nachnamen in der Liste der Bürgeraufnahmen festzustellen waren, schließen die Vornamen und Jahresangaben die Identitäten mit Unterzeichnern der Eintragungen im Stammbuch des G. F. Pirscher aus. Es kann sich bei den verbleibenden 39 Personen, also um Güstrower Einwohner ohne Bürgerrechte und/oder Besucher Güstrows handeln. Uns haben schließlich aber die Beschäftigung mit den Texten und das Betrachten der Bilder durchaus interessante Einblicke in spätbarocke Denkweisen einiger Güstrower Einwohner und Besucher ermöglicht. Welch eine Verschiedenheit der Sprache und der Bilder offenbaren sich uns, wenn wir nach dem Lesen der blumigen Rhetorik in dem Stammbuch um 1775 eine Kurznachricht oder ein Selfie per Handy von heute miteinander vergleichen. Trotz der dürftigen Erkenntnisse haben wir das Pirscher-Stammbuch nicht aus den Augen verloren, dies gilt natürlich in erster Linie für den Nachfahren Michael Müschner mit dem ich weiterhin in Verbindung stehe.

 

Dank:

Wir haben unsererseits die Leiterinnen des Güstrower Stadtarchivs "Heinrich Benox", Frau Doris Dieckow-Plassa, und des Museums der Stadt Güstrow, Frau Iris Brüdgam, um Unterstützung bei der kulturhistorischen Bewertung des Zeit-Zeugnisses "Stammbuch Pirscher" für Güstrow gebeten. Beide waren von dem Inhalt des Stammbuchs sehr beeindruckt, bedauerten jedoch, dass ihnen persönlich leider die Zeit für eine intensive Beschäftigung hiermit  fehle, sie aber solche für sinnvoll hielten. So haben sie uns auch bereitwillig und hilfreich beim Quellenstudium durch die Bereitstellung von Recherche-Materialien unterstützt. Dafür bedanken wir uns bei den beiden Verantwortlichen Frauen der städtischen Güstrower Einrichtungen.
Die mit der Historie und Literatur Güstrows sehr vertraute sachkundige Autorin Frau Gisela Scheithauer bot uns an, die Namensliste der Güstrower Bekannten des Herrn Pirscher mit ihren persönlichen Recherche-Aufzeichnungen aus dem Bestand des Cabinet 1 des Landeshauptarchivs (LHA) Schwerin abzugleichen. Wir danken ihr für diese Hilfe.

Diese zeitsparende Unterstützung nahmen wir gerne an, obwohl wir die interessante Sucharbeit vor Ort immer gerne persönlich betrieben haben. Ein Archivbesuch birgt für uns, neben dem freudvollen Blättern in alten Schriften immer auch die Hoffnung, etwas bereits neugierig Erwartetes, unbekanntes Neues oder längst Vergessenes, persönlich aufzuspüren. Darin bestand für uns immer das aufregende nachhaltige Erlebnis mühevoller Sucharbeit in den Archiven. Durch ergänzende Rückfragen beim Landeshauptarchiv erfuhren wir weiter, dass dort nur Aufzeichnungen zu Güstrower Personen erfasst seien, die in irgendeiner Beziehung zum Schweriner „Hofstaat“ standen. Dieser Hinweis erklärt auch, weshalb die Liste aus dem Landesarchiv leider nur zwei Namen von Familien enthielt, deren Angehörige mit George Friedrich Pirscher in Verbindung standen. Dennoch besuchte ich einen Tag lang das LHA in Schwerin, um die Akten der Güstrower Schloss-Apotheke zu durchsuchen. Wir hatten weiterhin noch die Hoffnung, dass uns die Wirkungsstätte des Georg Friedrich Pirscher in einer Güstrower Apotheke bekannt würde. Unabhängig von den offenen Fragen, die mich weiterhin beschäftigen, sind allein schon die lyrischen, oft blumigen Texte des Barocks in der gehobenen Sprache einer gebildeten Schicht des Güstrower Bürgertums, die wir immer in der originalen Schreibweise seinerzeit und nicht nach heutigen Regeln der Rechtschreibung zu Papier brachten, sehr unterhaltsam.

Sehenswert sind auch die oft kunstvollen schriftlichen und besonders auch die graphischen Darstellungen. Es ist deutlich erkennbar, dass hier die Hilfe von sehr befähigten Mitbürgern "Unterstützung" geleistet wurde. 

Das manche dieser Darstellungen und Texte seinerzeit von Schrift- u. Bildkünstlern vorgenommen wurden ist uns aufgefallen. Möglicherweise wurden Texte später dekorativ in Vorlagen eingefügt bzw. nachträglich schmückend um malt. Die Unterschriften und Datierung bei vielen Texten rechtfertigen diese Annahme.

Wir haben die ursprünglich laut Hinweis des ersten Besitzers, willkürlich vornehmbaren Eintragungen dahingehend verändert, dass wir eine zeitliche Abfolge der Eintragungen vornahmen. Unsere erste Zusammenstellung der Inskriptionen in unserer Broschüre ist also nach der zeitlichen Datierung der Eintragungen geordnet. So lassen sich beispielsweise schon anhand der Datierungen Zusammenkünfte Pirschers mit mehreren Güstrowern zur gleichen Zeit erkennen. Dieses wiederum lässt den Schluss zu, dass sich die Bekannten Pirschers z. T. auch untereinander kannten. Häufungen von Eintragungen im Winterhalbjahr sind uns so z. B. aufgefallen.


Für uns als Laien begann die Forschung an dem Stammbuch damit, die Inskriptionen  in zeitlicher Abfolge der Eintragungen zu ordnen. Dieses erschien uns als Orientierungshilfe für die Gestaltung einer Broschüre (A4 Querformat) zunächst sehr sinnvoll. Wir dachten daran, linksseitig die Eintragungen der Originale der Inskriptionen zu platzieren und rechts, auf der gegenüber gelegenen Seite deie Transkribtion  en en emndie s Inskrriptionen 
Aber, wir haben nun an dieser Stelle auch die sachlichen Hinweise der polnischen Germanistin, Prof. habil. Dr. Jarochna Dabrowska-Burkhardt, vom Institut für Germanistik, die sich u. a. sehr umfassend mit Stammbuchforschungen und der Ortschronik in ihrer Geburtsstadt Zielona Gora (ehemals Grünberg! in Schlesien) erkannt, beschäftigt, jedoch auch erfahren, dass gewisse literaturwissenschaftliche Aspekte dabei übersehen werden können. 

Ihre Hinweise finden bei dieser Überarbeitung des Stammbuchinhalts auf dieser WEB-Seite gebührende Beachtung.

Bei der mühseligen Transkription der deutsch geschriebenen Texte in unsere heutige lateinische Schrift erhielten wir bereitwillig Unterstützung durch eine Güstrower Rentnerin (Ingeborg L.). Da sie jedoch anonym bleiben möchte, tragen wir hier als Dank an sie nur ihre Initialen ein und möchten ihr auf diese Weise sehr herzlich danken.
Durch ihre Transkription der in deutscher Frakturschrift erfolgten Eintragungen, die Übersetzung bzw. Umdichtung von drei französischen Texten durch eine befreundete  Abiturientin Anna Burkhardt aus Egelsbach in Hessen und  Dr. Behrend Böckmann aus Mühl-Rosin, sowie durch Übersetzungen eines lateinischen Textes von dem Lehrer Tilman Reppekus vom Güstrower John-Brinckman-Gymnasium und eines in Hebräisch geschriebenen jiddischen Textes mit Hilfe des evangelischen Pastors Alexander Lemke aus Teterow, wurden uns schließlich alle Texte des Stammbuches zugänglich.

Wir sind sehr erfreut darüber, dass uns durch diese freundliche Unterstützung der genannten Personen der Inhalt dieser ca.250 Jahre alten Schrift nun vollständig bekannt wurde und von uns abschließend bearbeitet werden konnte. Wir hatten unsere Erkenntnisse und Gedanken zu dem Stammbuch zunächst in einer Broschüre zusammengefasst. Dem Stadtarchiv, dem Museum und der Uwe-Johnson-Bibliothek in Güstrow wurden je ein Exemplar zur Verfügung gestellt, um auch anderen stadtgeschichtlich Interessierten einen Rückblick auf einen Teil des geistigen Lebens unserer Güstrower Vorfahren zu ermöglichen.

Wir danken noch einmal allen zuvor genannten Helfern für deren verschiedenartigen Mitwirkungen bei der Fertigstellung dieser Broschüre. Eingeschlossen in unser Dankeschön sind auch die in der Druckerei der Güstrower Werkstätten tätigen Beschäftigten, die unter der Leitung von Herrn Gerhard Wintzer ein ansehnliches Druckerzeugnis herstellten.

Hier auf unserer WEB-Seite wird durch mich (DK) weiterhin versucht, mithilfe verbesserter Übersichten und Hinweisen auf Dokumente und Materialien aus amtlichen Quellen neue Erkenntnisse zu verdichten. Unsere unterschiedliche Sichtweise auf das Stammbuch und seine Gestalter ermöglichen interessante Zusammenhänge zu erkennen.

Wir hoffen auf diese Weise zu einer übersichtlichen unterschiedlichen Betrachtung der einerseits spontan erfolgten Anordnung der teilweise multimedialen Eintragungen (hier Text und Bild), als auch der zeitlich exakt nacheinander vorgenommenen Inskriptionen beizutragen.

Dieter Kölpien, Güstrow und Michael Müschner, Ludwigsfelde 

Buchrücken des Stammbuches
Buchrücken des Stammbuches
                                     Vorderseite des Stammbuches G. F. Pirscher
Vorderseite des Stammbuches G. F. Pirscher
Rückseite des Stammbuches G. F. Pirscher
Rückseite des Stammbuches G. F. Pirscher

Eine erste Analyse der Eintragungen im Stammbuch George Friedrich Pirscher  (G. F. P.) erfolgte durch Michael Müschner, einem Nachfahren des G. F. P. und jetzigem Besitzer des Stammbuches. Er hatte die Häufung der Eintragungen von Güstrowern in dem Stammbuch bemerkt und daher Kontakt zu uns über unsere Güstrower WEB-Site aufgenommen, weil er unser vielseitiges stadtgeschichtliches Interesse für unsere Heimatstadt bemerkte. Für diese Kontaktaufnahme sind wir Herrn Michael Müschner  natürlich sehr dankbar.

Ein Blick in das Original des Stammbuches wurde uns bei einem Kurzbesuch des Ehepaares Müschner in Güstrow ermöglich. Wir betrachteten gemeinsam mit den verantwortlichen Mitarbeiterinnen des Archivs und des Museums unserer Heimatstadt das wertvolle Stammbuch. 

Wir erhielten auch eine Namensliste Güstrower Bürger oder in Güstrow anwesende Bürger aus der Region, die in den Jahren 1870 bis 1878 Eintragungen in dem Stammbuch von George Friedrich Pirscher vornahmen und dieselben zum Teil mit Grafiken verschönerten oder verschönern ließen(?).


Anzahl der erfolgten Eintragungen in das Stammbuch in den nachstehend genannten Orten 


Güstrow       53
Rostock       12
Vielist           1
Wa(h)ren      2
Grünberg     5
Bützow         3


Der Eigentümer des Stammbuches des George Friedrich Pirscher, Michael Müschner hat inzwischen weitere Lebensdaten seines Vorfahren auf Grundlage seiner Internet-Recherchen ermittelt und mir zur Nutzung übermittelt:

- Lebenszeit des G.F. Pirscher 04.02.1747-13.04.1828 in Grünberg, veröffentlicht im Grünberger Wochenblatt.

- Pirscher hatte allem Anschein nach, keine eigene Apotheke in Güstrow, sondern war angestellt bei einem Güstrower Apotheker und hat sich hier möglicherweise weitergebildet. (Unsere Vermutungen deuten in Richtung Schloss-Apotheke Güstrow). Seit 1776 besaß er eine eigene Apotheke in Grünberg.  In einem polnischen Buch über das Krankenhaus in Grünberg wird zu den Apotheken in Grünberg ausgeführt, dass es dort Mitte des 18. Jahrhunderts zwei Apotheken gab. Eine war seit 1774 Eigentum des Apothekers Elsner. Die andere Apotheke
(Löwenapotheke) kaufte Pirscher aus Sommerfeld (Lubsko).


- Ende des 18. Jahrhunderts besaß Pirscher beide Apotheken.

- Das Apothekengesetz zwang ihn nach der Jahrhundertwende eine Apotheke wieder aufzugeben. 
 
- 2017, die örtliche Zeitung in Grünberg (Schlesien) teilt mit, dass nach 400 Jahren die 
Löwenapotheke in Zielona Gora geschlossen wurde.

- Da Pirscher wahrscheinlich bis 1778 in Güstrow tätig war, muss er nach dem Kauf der Apotheke in Grünberg zwischen Februar 1776 und 1778 zwischen Güstrow und Grünberg gependelt sein. 1776 sind in Güstrow nur zwei Eintragungen in dem Stammbuch erfolgt.

- Pirscher muss zu diesem Zeitraum recht bekannt und vermögend gewesen sein.  

- 1826: Seine Pirscherschen Stiftungen wurden durch eine wohlwollende Erwähnung durch den preußischen König Friedrich Wilhelm gewürdigt.
 

- Im "Nekrolog der Deutschen" von 1830 wurde Pirscher erwähnt. 

- Der Verkauf seiner Apotheke aus Altersgründen an seinen Neffen Gotthilf Walther wurde in den Berlinischen Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen Nr. 121, Donnerstag 8. Okt.1818 und Nr.123 inseriert.

-Trotz des Siebenjährigen Krieges und der Napoleon-Zeit, die seine Heimat Niederschlesien stark betrafen, war er ein sehr umtriebiger Mensch. 
 


Inzwischen hatten wir im Mai 2019 über unsere Erkenntnisse auf diesem für uns unbekannten Gebiet der Stammbuchforschung eine Broschüre erstellt und diese dem Stadtarchiv, dem Museum und der Bibliothek in Güstrow ein Exemplar) zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig veröffentlichten wir unsere Forschungsergebnisse im Internet Hiermit schienen unsere Möglichkeiten erschöpft zu sein.

 


Eine große Überraschung! 
Im Frühjahr 2019 bin ich bei meiner Internetrecherche auf einen Beitrag über ein Grünberger Stammbuch gestoßen, der im Sammelband „Wissenschaftliche Beiträge des Verbandes Polnischer Germanisten“ veröffentlicht wurde. Sein Titel lautete: „Die Textsorte Stammbuch als Vorgänger von Facebook. Eine linguistische Analyse der Stammbucheinträge aus dem 18. Jh. am Beispiel eines Grünberger album amicorum“ und konnte unter dem Link http://www.sgp.edu.pl/media/Warszawa2015/Beitrage%20zur%20Germanistik%202015.pdf

angesehen werden.
Eine weitere Arbeit derselben Autorin
„Multimodalität in historischen Texten. Ein Beitrag zur historischen Textsemiotik am Beispiel eines Grünberger Stammbuchs aus dem 18. Jahrhundert“
ließ keine Zweifel aufkommen, dass das analysierte Grünberger Stammbuch im engen Zusammenhang zu unserem album amicorum von G. F. Pirscher steht.

Die Internetrecherche ergab, dass die Autorin der Beiträge eine polnische Germanistikprofessorin Prof. Dr. Jarochna Dąbrowska-Burkhardt von der Universität Zielona Góra sei. Sie ist nicht nur am Institut für Germanistik tätig, sondern betreibt seit Jahren als gebürtige Einwohnerin von Zielona Góra (ehemals Grünberg in Schlesien) sprach- und kulturgeschichtliche Forschungen zu ihrer Heimatstadt.

Mehreren E-Mails folgten Telefonate, die durch den detaillierten Datenaustausch zu den Stammbuchhaltern eindeutig bestätigt werden. Begeisterung auf beiden Seiten der Telefonverbindung über diese Feststellung!

Aber dies war nicht die einzige Überraschung.

Die Professorin zeigte zwei Historikern die unbekannte Darstellung des Rathauses von Zielona Gora, die auf der Seite 149 des Stammbuches Pirscher sichtbar war, um deren kompetente Meinungen zu hören. Der Vater der Professorin, Dr. Stefan Dąbrowski (Historiker), und der mit der Familie befreundete Kunsthistoriker Dr. Stanisław Kowalski aus Zielona Góra, haben die Grafik vom Grünberger Rathaus in "unserem" Pirscher- Stammbuch als bisher unbekannte historische Darstellung erkannt.

Diese Erkenntnisse führten zu einer Einladung im August 2019 durch die Professorin nach Zielona Góra, die das Ehepaar Müschner und ich gerne wahrnahmen. In einer Presseveranstaltung am 17.08.2019 wurden unsere gemeinsamen Erkenntnisse der polnischen Öffentlichkeit vorgestellt. 
In großer Aufmachung berichteten drei Zeitungen „Gazeta Lubuska“ „Gazeta Wyborcza“ und „Łącznik Zielonogórski“ über diesen Pressetermin.

  


Siehe Foto „Gazeta Wyborcza“. Autor: Artur Łukasiewicz
1. Reihe sitzend v.l.: Dr. Stanisław Kowalski, Dr. Stefan Dąbrowski
2. Reihe stehend v.l.: Kerstin Müschner und Michael Müschner, Tomasz Kowalski M.A., Prof. Dr. habil. Jarochna Dąbrowska-Burkhardt, Dieter Kölpien, Miłosława Dąbrowska M. A., Tomasz Czyżniewski M.A., Ewa Burkhardt. 
(Nicht auf dem Bild: Dr. Barbara Bielinis-Kopeć, Dr. Bartek Gruszka, Zdzisław Haczek M.A., Artur Łukasiewicz M.A.) 


Hinweise für den Betrachter 
der nachfolgenden Informationen zum
Stammbuch George Friedrich Pirscher, einem der Apothekerkunst beflissenen aus Grünberg, heute Zielona Gora 


Vielfach sind die bildlichen Darstellungen von den Texten getrennt geschaffen worden, so dass die Vermutung besteht, dass die Textschreiber nicht auch die Zeichner der Bilder waren.


  Seite 002
  - Inskription im Original-Stammbuches G.F.P.

 - Transkription der vorstehenden Inskription 
 -  Sonstige Informationen zu den Personen bzw. Texten 


                               Ihr Freunde! 
Die Ihr mir das beste Schicksahl gönnt;
Ihr Freunde!
Die mein Herz noch Eure Freundschaft kennt;
Erlaubt dass ich dis Buch in Eure Hände gebe,
damit der Ruhm von Euch auch bey der Nachwelt lebe;
Ein Deutscher von Geburth liebt deutsche Redlichkeit,
wie aber heißt man jetzt das Wildbret unsrer Zeit?
Seit dem die Politik sich bey uns eingeschlichen,
ist deutsche Redlichkeit fast aus der Welt gewichen:
wie viele stellen sich als Freund und Gönner an,
der soll ein David sein und jener Jonathan; 
Jedoch verlangt man dann die wahren Freundschaft Proben,
so ist es weit gefehlt, sie sind längst aufgehoben.
Euch Gönner guter Art schätzt meine treue Brust, 
Ihr seid mein Augenmerk und meine Freud und Lust,
Euch wird die Zärtlichkeit ein ewig Angedenken,
das von der Ehrfurcht stammt in meinen Herzen
die Freundschaft setzt
und dies da wird durch mich am wenigsten verletzt.
Ich habe Lieb und Treu bis zu den letzten Stunden,
die mir der Himmel gönnt in meiner Brust verbunden; 
Schreibt wo es Euch beliebt hier Euren Nahmen ein,
und dieser soll bei mir der Freundschaft Siegel sein.
Ich würde diese Huld mit vielem Dank erkennen
und mich stets Euren Freund und Diener nennen. 
 
George Friedrich Pirscher der Apothekerkunst beflissenem,
aus Sommerfeld in der Lausitz gebürtig
Güstrow in Mecklenburg den 24ten September 1770.



Seite 003 
- Inskription im Original-Stammbuches G.F.P.
 - Transkription der vorstehenden Inskription 
 -  Sonstige Informationen zu den Personen bzw. Texten 


 

Genieße, was dir Gott beschieden,
Entbehre gern, was du nicht hast.
Ein jeder Stand hat seinen Frieden.
Ein jeder Stand auch seine Lust.
Willst du zu denken dich erkühnen,
dass seine Liebe dich vergisst?
Er gibt uns mehr als wir verdienen
und niemals was uns schädlich ist 

Anmerkung:  Text ohne Signatur 


Seite 004
- Inskription im Original-Stammbuches G.F.P.
 - Transkription der vorstehenden Inskription 
 -  Sonstige Informationen zu den Personen bzw. Texten 

Bey rauhen und angenehmen Witterungen, mit einem Wort,
 allzeit Echter Freund I. E. Paquin Sprachmeister Güstrow d. 6ten Octob. 1771

Anmerkung: Isaak Elie… lauten die Vornamen; ergänzt durch die Autoren


Seite 005
- Inskription im Original-Stammbuches G.F.P.
 - Transkription der vorstehenden Inskription 
 -  Sonstige Informationen zu den Personen bzw. Texten 


Himmel, hast du einen Seegen

der auf Erden glücklich macht,
O! so sey er meinentwegen, 
meinen Freunde zugedacht.

Dies ist mein aufrichtiger Wunsch
Erinnere Dich meiner bey
Lesung desselben und versichere 
Dich der beständigen Freundschaft
Deines getreuen Freundes und Bruders
S. L. Worsoe
 aus Dännemarken

Rostock den 10ten October 1770


Seite 006 
- Inskription im Original-Stammbuches G.F.P.
 - Transkription der vorstehenden Inskription 
 -  Sonstige Informationen zu den Personen bzw. Texten 

Zufriedenheit mein auserwählter Schatz kaum habe ich mich durch deine Güter, mein ganzes Herz gibt deiner Gottheit Platz und spottet murren der Gemüter. was hilft der Gram, der unsere Seele quält, die Kräfte schwächt das Leben kürzer, ich klage nicht wie wohl mir manches fehlt, ein Thor der sich im Kummer stürtzet. Ein heiterer Geist das ist mein bester Ruhm, mich schrecken nicht des Pöbels Träume, ein freies Herz das ist mein Eigentum mein Zeitvertreib sind meine Reime. Ich strebe nicht nach Titeln, Geld und Gut. Was ist so hoch als weise Geister? Was ist so reich als eingesetzter Mut? Des Glückes Herr, des Unglücks Meister. Man nennt mich arm, doch hab ich stets genug, ich wünsche mir kein fettes Erbe, wenn mancher Sohn den Vater niederschlug, so wünsch ich, dass er niemals sterbe. Mein Kleid ist schlecht, mein Beutel klein und leer, mein Bette schmal, mein Zimmer enge, doch mach ich mir das Leben niemals schwer, was sollte mir der Güter Menge. Dort sitzt ein Thor in lauter Überfluss und martert sich durch tausend Sorgen, ihm mangelt nichts wie wohl er darben muss, man sieht ihm oft von ärmeren borgen, ein Thaler bringt mir mehr Ergötzlichkeit als ihm ein geldgefüllter Kasten, der Geizhals darbt und hungert jederzeit und ich Gottlob darf niemals fasten. Zwar weiß die Welt von meinen Namen nicht, kein Zeitungblatt rühmt meine Taten, doch wenn kein Mohr und Perser von mir spricht, ist mir deswegen doch geraten. Kennt mich ein Freund der Witz und Tugend liebt, so darf mich weiter niemand kennen und mir kein Fürst mir Gnaden Gelder gibt, darf ich mich seinen Knecht nicht nennen. Doch hat es mir noch nie an Lust gefehlt, denn Welt und Himmel ist mein eigen. Des Reichen Hand hat mir das Geld gezählt mir täglich meine Lust zu zeigen. Sein Haus und Hof, Staat, Garten, Wald........ihm die Last und mir die Freude …………er gleich den Namen Herr behält………… doch alle bei. Kein Zufall macht mein Herze missvergnügt, kein Ungemach kann mich betrüben, was mich betrifft das hat der Herr gefügt, das lässt sich mein Gemüt belieben. Trifft mich ein Schmerz ganz recht, so soll es sein, die Vorsicht hat ihn mir erlesen. Misslingt ein Wunsch, ich find mich darein, vieleicht ist mir‘s nicht gut gewesen. So wohnt mein Herz in einer Felsenbrust die nichts als Sünd und Laster scheinet, denn bin ich mir nichts Sträfliches bewusst, verlach ich alles was mich dräuet. Da fiele der Bau des Himmels ein und schlüge diese Welt in Stücken, soll’s Fall und Schlag. So herzhaft will ich sein, mich dennoch unverzagt erdrücken.

Anmerkung:
Lücken im Text wegen Unlesbarkeit!


Seite 007
- Inskription Original-Stammbuches G.F.P.
- Transkription der vorstehenden Inskription 
- Sonstige Informationen zu den Personen / Texten 

Freund! gönnen Sie dies Bladt
oft einen gütigen Blick,
Und denken dann dabey 
an Ihren Freund zurück.

Joh. Lor. Holsten

Rostock, d 20ten Febr 1770
Dieses soll mein Wahlspruch bleiben ,
Red
lich, Fleissig und Vergnügt,
dies soll noch den Sarg beschreiben
wo dereinst mein Leichnam liegt


Seite 008 leer


Seite 009
- Inskription Original-Stammbuches G.F.P.
- Transkription der vorstehenden Inskription 
- Sonstige Informationen zu den Personen / Texten 


Im Glücke ist die Freundschaft leicht.
Es kostet kaum Gefälligkeiten.
Wenn aber Glück und Wohlfahrt weicht.
Dann sind der Freundschaft Probezeiten.
Erst liebte man allein das Glück.
Man sah auf dessen heiteren Blick.
Ob aber man Personen liebe
das zeigt sich wann der Himmel trübe.
Drum mute mir ja niemand zu
Auf seine Freundschaft Tracks zu bauen
schwankt einstens meine Wohlfahrt sich
dann werde ich nur Treue schauen.
Doch wünsch ich unfern Keinem nicht
Das solche Probe eins gebricht.
Mein Wohlsein müsste so bestehen
da ich nicht darf auf Freunde sehen.

Hierdurch empfiehlt sich zu einem beständigen Andenken
eines Colleg Freund Bruders und Dieners

 Zwigg….. aus …………….

Symbol: Mit . ..agte ….........

 Güstrow d. 22. Jan 1770

Anmerkung:
Text zum Schluss nicht lesbar, daher die lückenhafte Darstellung.
 


Seite 10 leer


Seite 011 
- Inskription im Original-Stammbuches G.F.P.
 - Transkription der vorstehenden Inskription 
 -  Sonstige Informationen zu den Personen bzw. Texten 

Die angenehmste Zeit auf Erden
ist wenn man Freunde zählen kann
nichts besser kann gefunden werden
als ein rechtschaffender Freund und Mann
Die Freundschaft muss stets ewig währen
und wenn auch alles auf der Welt
in hundert Tausend Stücken fällt,
so muss man einen Freund doch ehren.
Drum grüne stets in Palmen Kreuzen
und Glück und Heil umhüllen dich
bis längst aus der Erden Kränzen,
als dann erblühen ewiglich

Hiermit empfiehlt sich bestens
H. F. Freyer

Symb: immer zufrieden

Güstrow d. 8. October 1771

 



Anmerkung:
Der Familienname Freyer konnte bis 1771 in Güstrow nicht aufgefunden werden.


Seite 012 leer


Seite 013 
- Inskription im Original-Stammbuches G.F.P.
 - Transkription der vorstehenden Inskription 
 -  Sonstige Informationen zu den Personen bzw. Texten 

Die Zeit
Die Zeit fragte mich nach einer Abrechnung.
Ich antwortete ihr, dass die Rechnung Zeit erfordere;
denn wer, ohne Rechnung zu zahlen, so viel Zeit verloren habe,
könne ohne Zeit keine so große Rechnung machen.
Die Zeit verweigerte mir die Abrechnung, indem sie sagte,
dass meine Abrechnung die Zeit ablehne
und da ich meine Abrechnung nicht rechtzeitig gemacht habe,
wolle ich vergeblich Zeit haben, meine Abrechnung gut zu machen.
Oh Gott, was für eine Rechnung kann so eine lange Zeit nennen.
Und welche Zeit kann ausreichen, um eine solch große Abrechnung zu machen?
Da ich ohne Abrechnung lebe, habe ich die Zeit vernachlässigt.
Ach, bedrängt von der Zeit, bedrängt von der Abrechnung,
sterbe ich und kann keine Abrechnung über die Zeit geben,
da die verlorene Zeit nicht in die Abrechnung eingeht.
.............................................................................................................................................................................
Die Zeit
Die Zeit bittet mich, in mich zu gehen,
Aber ich habe ihr geantwortet, dass das Zeit braucht,
Wer sich keine Gedanken über sich macht, verliert viel Zeit,
Wie soll er ohne Zeit über sich selbst nachdenken?
Die Zeit verbietet es, die Gedanken über sich hinaus zu schieben,
auch wenn sie meint, dass mein Nachdenken die Zeit vergisst
und dass ich mir keine Gedanken über mich gemacht habe,
Halte ich die Zeit für vergeblich, über mich nachzudenken.
O Gott, welche Gedanken über sich kann die mächtige Zeit zählen
Und welche Zeit reicht aus, um so gewaltige Gedanken über sich selbst zu machen.
Ohne über sich selbst nachzudenken, habe ich die Zeit verleugnet.
Aber die Zeit eilt, das Nachdenken über sich vergessen,
ich sterbe und habe nicht an mich in der Zeit gedacht,
Weil die verlorene Zeit niemals von Bedeutung war
. 

Anmerkungen: Anmerkung:

Die beiden Übersetzungen wurden von Personen unterschiedlichen Alters getrennt voneinander vorgenommen
Die Wiedergabe des oberen Text erfolgte wortgetreu von einer Schülerin und der untere von einem pensionierten Lehrer, der längere Zeit im französischen Sprachraum lebte.


Seite 014
  
- Inskription im Original-Stammbuches G.F.P.

 - Transkription der vorstehenden Inskription 
 -  Sonstige Informationen zu den Personen bzw. Texten 



Ihnen sehr gewogen! zu Diensten Isaac, Elie Paquin aus Bützow in Mecklenburg zu Schwerin

Lehrer der französischen Sprache Güstrow, d 6 Oktob:
 
1771


Seite 015 
- Inskription im Original-Stammbuches G.F.P.
 - Transkription der vorstehenden Inskription 
 -  Sonstige Informationen zu den Personen bzw. Texten 



Dir bleibe nie was du gewünschet aus
Den Überflus, in Ehre, unter Scherzen
Der Freuden Zuhaus sei in deinen Herzen
Des Glückes Wohnplatz sei dein Haus
 
Bey 
Erblickung dieser Zeilen
erinnern Sie sich eines 
aufrichtigen Freundes,
der 
sich nenn,
 Johann Peter Schultetus
der Apotheker Kunst beflissenen
     gebürtig aus Ribnitz in Mecklenburg  

Symbolum
Was sein soll 
schickt sich WOHL
Nichts von ungefehr.   

 

 

Rostock, den zwölften November 
im Jahr  1770          
                                                                                                 
                                     
                                     
                                 
                                                     


- Seite 016 unbenutzbar, weil die Inskription von Seite 15 durchscheint.
- Seite 017
Entwurf einer Grafik (im Original enthalten nur leere und unfertige Seiten eine mit 
Bleistift eingetragene Angabe der Seitenzahl.

Anmerkung:  Darstellung Bachus und Amor?
Die mit Bleistift versehende Seitenangaben (Nummerierungen) konnten nur durch Auszählung der Seiten festgestellt werden. Die Nummerierungen befinden sich nur auf leeren bzw. unsignierten Seiten des Stammbuches.


- Seite 018 leer


- Seite 019
- Inskription im Original-Stammbuches G.F.P.
 - Transkription der vorstehenden Inskription 
 -  Sonstige Informationen zu den Personen bzw. Texten 

So denkt der Heuchler zwar!
Bei seiner Heuchler Tugend!
So lebt er Tag und Jahr!
Im Alter und der Jugend!
Herr! Mach du uns selbst Geitz 
und Heuchlen frei!
So füllt so Kopf (?) als Herz
nicht leeres Stroh und Spreu

Symbol:
So der Mund so das Herz

Hierdurch empfiehlt sich zum Andenken
dem Herrn Besitzer dieses Buches, ergebenen Diener

Kregel

Rostock, 22. Jan 1771

 

 


Seite 020 leer 


Seite 021 
- Inskription im Original-Stammbuches G.F.P.
 - Transkription der vorstehenden Inskription 
 -  Sonstige Informationen zu den Personen bzw. Texten 

Wer da jn der Welt fort will


Seite 022-025 leer


Seite 026
- im Original des Stb. G.F.P.

- Grafik (Blumenstrauß)


Anmerkungen:
Welche Blumen können erkannt werden?


Seite 027
- im Original des Stb. G.F.P.
- Inskription und Transkription

Lieben ist nicht wieder Gott,
sonst hätt Er‘s nicht erschaffen.
Sündlich kann es auch nicht sein,
sonst ließen es die Pfaffen.
Wär es aber ungesund,
würden es die Ärzte meiden
und tät es erschrecklich weh,
würde es kein Mädchen leiden

Erinnere dich bey   Erblickung dieser wenigen Zeilen,
deines Freundes, der sich so lang er lebt nicht anders bekennt als dein Bruder


Kristian Albertus Siggelkow,
                                 ph
aus Röbel

Güstrow 16. October 1771

 


Anmerkung:
Ein Christian Siggelkow war ab 1742 Güstrower Bürger und Brandweinbrauer.
Der Familienname taucht zuvor nicht in Güstrow auf.


Seite 028 bis 031 leer


Seite 032 
- im Original des Stb. G.F.P.

- Grafik (Rose, Vergissmeinnicht, Tulpe)


Seite 033
- im Original des Stb. G.F.P.
- Inskription und Transkription

Hat ein Gärtner nicht die Macht,
wann Er in den Garten gehet
und Er eine Blume siehet
dessen Blüte hoch geachtet
und Er eine Blume bricht
darf Er oder darf Er nicht.
Mag Er nicht die Freiheit haben
für sein Sorgen für sein Graben
dass Er eine Rose bricht
darf Er oder darf Er nicht.


Hierdurch empfiehlt sich zum Andenken dem Herrn Besitzer dieses Buches ergebener Diener

 
Carl Ludwig Dohrmann


Güstrow 16. October 1771

 

 


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Seite 035
- im Original des Stb. G.F.P.

-Inskription und Transkription

Jehova


-Seite 036 leer


Seite 037 
- im Original des Stb. G.F.P.
- Inskription und Transkription

Der Weise bleibt sich immer gleich


Seite 038 - 040 leer


Seite 041
-im Original des Stb. G.F.P.
-Inskription und Transkription

Aus der Tugend


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Seite 043
- im Original des Stb. G.F.P.

- Inskription und Transkription

Es sind nur auf der Welt


Seite 044 leer


Seite 045
- im Original des Stb. G.F.P.

- Inskription und Transkription


Es sind nur auf der Welt vie angenehme 


Seite 046 leer


Seite 047
- im Original 
des Stb. G.F.P.
-Inskription und Transkription  

Ein Weiser kennt die Welt


Seite 048 leer


Seite 049
-im Original des Stb. G.F.P.

-Inskription und Transkription 


Seite 050 
- im Original des Stb. G.F.P.

- Inskription und Transkription 


Seite 051 bis 052 leer


Seite 053
- im Original des Stb. G.F.P.

- Inskription und Transkription 

Seite 054 leer

Seite 055 

- im Original des Stb. G.F.P.
- Inskription und Transkription 

Seite 056-062 leer

Seite 063
- im Original des Stb. G.F.P.
- Inskription und Transkription 


Seite 064-073 leer

Seite 074
- im Original des Stb. G.F.P.
- Inskription und Transkription 

Seite 075
- im Original des Stb. G.F.P.
- Inskription und Transkription 

Nachbarschaft


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Seite 078 
- im Original des Stb. G.F.P.
- Inskription und Transkription 

Du köstliches Getränk


Seite 080 leer

Seite 081 leer
- im Original des Stb. G.F.P.
- Inskription und Transkription