4.4 Über Ehrengrabanlagen auf dem Güstrower Friedhof


John Frederic Brinckman

John Frederic Brinckman  (https://de.wikipedia.org/wiki/John_Brinckman)
Lehrer und niederdeutscher Schriftsteller

geb. 03.07.1814 in Rostock,
gest. 20.09.1870 in Güstrow

Auf der Familiengrabanlage Brinckman sind neben dem Schriftsteller auch seine Ehefrau und zwei unverheiratete Töchter beigesetzt.

Ehefrau
Elise Brinckman, geb. Burmeister
geb. 1821
gest. 1904

Tochter
Helene Marie Augusta (genannt Ellen ) Brinckman

geb. 1857
gest. 1939

Tochter 
Therese Ottilie Marie Julia Auguste Brinckman
geb. 1859
gest. 1870 


Philipp Friedrich Burmeister

Bediensteter der Stadt von 1824 bis 1870, davon Bürgermeister von 1836-1870 geb. 1820, gest. 1876.


Wilhelm Höcker                                                                                                                                        Ehren-Grabstätte auf dem Güstrower Friedhof  für den ersten Ministerpräsidenten von Mecklenburg nach dem  Zweiten Weltkrieg,

Wilhelm Höcker (* 1886 † 1955) stammte aus einer Tagelöhner Familie, die unter großen Entbehrungen ihrem Sohn die Kaufmannslehre ermöglichte. Er unterhielt später ein Tabakgeschäft in Güstrow Ecke Hageböckerstr. / Krönchenhagen. 1911 übernahm er in Güstrow den Aufbau der Konsumgenossenschaft. Er war politisch in der SPD organisiert und war vor 1933 Landrat in Güstrow und Präsident des Landtags in Schwerin. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er von der Sowjetischen Militäradministration für Deutschland (SMAD) auf Vorschlag von Marschall Shukow zum 1. Präsidenten des Landes Mecklenburg-Vorpommern, das ab 1947 nur noch Mecklenburg hieß, ernannt. Von Dezember 1946 bis 1951 amtierte er als gewählter Ministerpräsident. Höcker wechselte 1946 von der SPD zur SED.
Der Güstrower Wilhelm Höcker hatte großen Anteil an der antifaschistischen Umgestaltung Mecklenburgs.


Sibrand Siegert,  Landessuperintendent                                                                                  Ehrengrabstelle auf dem Friedhof Güstrow

Unter der Nr. 1445 der aktuellen Denkmalliste des Landkreises Güstrow sind Teile des Güstrower Friedhofs, einschließlich der Grabstätte Sibrand Siegert benannt, die damit unter den Schutz des Denkmalschutzgesetzes des Landes M-V gestellt sind. Nicht dem unauffälligen Grab Sibrand Siegerts, das Teil einer schlichten Familiengrabstelle ist, sondern dem hier zur letzten Ruhe gebetteten Güstrower Pastor der Pfarrgemeinde, Kirchenpolitiker und Landesuperintendent soll ehrende Aufmerksamkeit zuteil werden.

In Pastor Sibrand Siegert hatte die Pfarrgemeinde einen tatkräftigen und für die Wahrheit des Glaubens kämpfenden Seelsorger. Mit großem organisatorischen Geschick und Verhandlungssinn engagierte er sich in der Sozialarbeit. Im Gemeindehaus im Grünen Winkel 10 richtete er ein Lehrlings- und Gesellenwohnheim, eine Werk- und Nähstube im Rahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes ein. Er gründete die kirchliche Nothilfe und wurde Vorsitzender des Kinderkostheimverbandes. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten erreichte die weltanschauliche Auseinandersetzung ihren Höhepunkt. Die Deutschen Christen wollten den nationalsozialistischen Geist in die Kirchen tragen, das Evangelium verkürzen und verfälschen. Am 6. Dezember 1933 fand im Güstrower Dom ein Gottesdienst statt, in dem sich die Gemeinde zur Kirche Jesu Christi bekannte, später das "Güstrower Bekenntnis" genannt. In der Folge wurden Pastoren, die sich zur "bekennenden Kirche" hielten, mundtot gemacht oder ihres Amtes enthoben, aber die bekenntnistreuen Gemeindemitglieder und Pastoren begannen sich im Gemeindehaus im Grünen Winkel zu sammeln. Ihre führende Persönlichkeit wurde Pastor Sibrand Siegert. Noch konnte Pastor Siegert Gottesdienste in der Pfarrkirche halten, gegen alle Widerstände der Nationalsozialisten und trotz der Auseinandersetzungen mit dem DC-Oberkirchenrat. 1935 wurde über ihn von der Politischen Polizei ein Redeverbot außerhalb des Amtes verhängt, das nach 4 Monaten wieder aufgehoben wurde. Immer wieder wurde seitens der DC -Anhänger versucht, Pastor Siegert zu "disziplinieren", aber die Mehrheit seines Kirchgemeinderates setzte sich für ihn beim Oberkirchenrat ein. Trotzdem kam es 1936 infolge der dramatischen Vorgänge des verbotenen Gottesdienstes zum Reformationsfest zu einem Disziplinarverfahren, das mit seiner Suspendierung durch den DC-Oberkirchenrat endete. Aber S. Siegert ließ sich nicht mundtot machen. Er amtierte weiter, hielt seine Gottesdienste im Gemeindehaus im Grünen Winkel ab und setzte sein Wirken von dort aus fort. Im Oktober 1938 wurde das Disziplinarverfahren aufgehoben und Pastor Siegert konnte wieder in die Pfarrkirche zurückkehren. 1940 wurde S. Siegert zur Wehrmacht eingezogen. Nach der Entlassung Anfang 1945 nahm er seinen seelsorgerischen Dienst sofort wieder auf. 1945 war S. Siegert beteiligt an der Rettung der Stadt Güstrow vor der Zerstörung durch die herannahenden Truppen der Sowjetarmee, indem er mit beherzten Männern wie Dr. Krasemann, General a. D.Ulex und Stadtbaurat Richter die kampflose Übergabe von Güstrow ermöglichte.
(Quelle: http://www.haus-der-kirche-guestrow.de).

Weshalb die Verdienste des Güstrowers Wilhelm Beltz und der Ukrainerin Slata Kriwussjowa (später verh. Kowalewskaja) im vorstehenden Text nicht benannt werden, ist sicher nur darauf zurückzuführen, weil beide bei der offiziellen Übergabe der Stadt an die Russen nicht im Rathaus anwesend sein konnten.

Als die Staatsdomäne Bredentin bei Güstrow zu Gunsten der Neubauern aufgesiedelt wurde, wurde Siegert daran beteiligt, In Bredentin wurde 1955 ein Gedenkstein errichtet mit der Inschrift „10 Jahre demokratische Bodenreform 1945 – 1955  –Junkerland in Bauernhand- übergeben von Bernhard Quant und Superintendent Sibrand Siegert 16.09.1946“ (Quelle: Angelika Schmiegelow Powell „Güstrow im 20. Jahrhundert“, Edition Temmen, Bremen 2001).


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