Heinrich Jungebloedt (1894 -1976), Mosaizist

Heinrich Jungebloedts Verbindungen zu Güstrow bestehen in der Ausführung von mehreren Mosaiken in unserer Stadt und  in unserer Region.
- Großes Mosaik in der Güstrower Gehörlosenschule, ("Das Tor zum Leben", Entwurf Vera Kopetz, für dieses Werk erhielt V. Kopetz 1956 den Fritz Reuter Kunstpreis des Bezirkes Schwerin)
- 2 Mosaiken an der Vorbühne des Ernst-Barlach-Theaters.
(Entwürfe Vera Kopetz, Ausführung Fa. H. Jungebloedt)
- 2 Mosaiken in der Schule Bernitt (Entwürfe Vera Kopetz, Ausführung Fa. H. Jungebloedt).
- Brunnen in der heutigen Hochschule für öffentliche Verwaltung,        Rechtspflege und Polizei. (Entwurf und Ausführung H. Jungebloedt und E. Jeske)    


Heinrich Jungebloedt wurde 1894 in Witten an der Ruhr geboren
1901 - 1913 Schulbesuch in Essen.
1913 - 1914 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf.
1914 - 1920 Musterung, Grundausbildung und Kriegsteilnahme und 5 Jahre französische Gefangenschaft.
1920 - 1923 Fortsetzung des Studiums "Wandmalerei" an der Essener Kunstschule (der später berühmten "Folkwanglerschule".)
1923 - 1945 Anstellung bei der weltberühmten Firma "Vereinigte Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei Puhl & Wagner, Gottfried Heinersdorff", nach einer Studienreise zu den klassischen antiken Mosaiken Italiens Aufstieg zum künstlerischen Leiter (1925).
1945 - 1976 Grünsung und Leitung einer der eigenen Mosaikwerkstatt
"Heinrich Jungebloedt Mosaiken" in Schulzendorf (Kreis Teltow) unter Mithilfe von Frau Elisabeth Jeske.
1946 bekommt er von der Direktion der Hochschule für Bildende Kunst in Berlin-Schöneberg hohe Anerkennung: "Er sei der einzig wirkliche Experte auf dem Gebiet des künstlerischen Mosaiks".
1948 Meisterprüfung des Mosaik-Handwerks vor der Handwerkskammer des Landes Brandenburg mit dem Prädikat "Sehr gut".
1950 Der "Hauptausschuss für Kunsthandwerk des Landes Brandenburg" verleiht ein personengebundenes Gütezeichen u. a. an Heinrich Jungebloedt für dessen Produkte.
1951 -1976 Umfangreiche Arbeiten in Berlin und anderen Orten (Neubauprogramm, Repräsentativbauten, "Kunst am Bau").
1976 am 31. März verstarb Heinrich Jungebloedt und fand auf dem Friedhof Eichwalde seine letzte Ruhestätte. (Quelle -Leben und Werk des Mosaikkünstlers Heinrich Jungebloedt-Schriftenreihe zur Geschichte der Gemeinde Eichwalde Heft 8))
In seinem Aufsatz "Gedanken zum Mosaik", der von seiner geschätzten Mitarbeiterin Elisabeth Jeske (1921 - 2002) posthum 1996 veröffentlicht wurde, äußert sich Heinrich Jungebloedt über die fundamentalen Unterschiede zwischen den beiden Kunstformen Malerei und Mosaik.
(..).. Der Maler beschäftigt sich mit der Farbenlehre und der Form, während sich der Mosaizist dem Stein und der Form widmen muss. (...). Deshalb muss der erfolgreiche Mosaikgestalter die künstlerische Ausbildung eines Malers haben, er "darf nicht mit beiden Füßen in der Malerei stehen, sondern nur mit einem Fuß; der andere muss fest im "Mosaik stehen"
An anderer Stelle wird folgendes ausgeführt: "Den wichtigsten Schlüssel zum Mosaik liefern die Fugen zwischen den Steinen. Sie sind technisch unentbehrlich, nötigen aber zu einen anderen Einsatz der Farbe...Das Netzwerk der Fugen hat eine eigenen Schönheit, es begleitet den verborgenen Rhythmus der Darstellung. Netzwerk, Steinführung, Materialfarbe und Steinform sind nicht zu trennen. Ihre wechselseitige Wirkung aufeinander abzustimmen ist das Problem des Mosaiks.

Frau Elisabeth Jeske war eine außergewöhnlich befähigte Mosaizistin, die in der Firma Jungebloedt hervorragende künstlerische Arbeit über Jahrzehnte leistete und diese ab 1976 bis 2002 führte.(Zeitzeugen berichteten uns, dass eine dunkelhaarige Frau bei den Güstrower Mosaiken "federführend" tätig war - es kann sich nach Ansicht der Autoren nur um Frau Jeske gehandelt haben.)
Für ihr Engagement am Berliner Dom wurde sie 1996 durch den Bundespräsidenten Roman Herzog mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 2000 wurde sie erste Ehrenbürgerin ihrer Heimatgemeinde Schulzendorf im Kreis Königswusterhausen. 

Die Firma "Heinrich Jungebloedt Mosaiken" existiert seit 2007 nicht mehr.