Vera Kopetz (1910 - 1998)

Das künstlerische Schaffen von Vera Kopetz in Güstrow und in Güstrows Nähe

Wir möchten mit diesem Beitrag auf das Schaffen der einstigen Schweriner Künstlerin Vera Kopetz in diesem Hause aufmerksam machen und sie mit unserem Beitrag ehren. Vera Kopetz war hier in den Jahren 1955 bis 1957 dreifach bildkünstlerisch tätig.
Bevor wir auf ihr Schaffen in diesem Haus und anderswo in der Region eingehen, möchten wir auf das Leben von Vera Kopetz blicken.
Für die Unterstützung unserer Studien über das Wirken von Vera Kopetz in Güstrow danken wir den Herren Michael Kopetz und Ralf Zimmermann-Kopetz. 

Die als Vera Adler am 26.02.1910 in Sankt Petersburg geborene spätere Grafikerin und Malerin, verlor früh ihren Vater.
Ihr Vater war der deutsche Ethnologe Prof. Dr. Bruno Wilhelm Karl Adolph Adler und ihre Mutter die Russin Eugenie Wera Adler, geb. Horwitz. 





Die Mutter lebte ab 1914 als Emigrantin mit Vera und den Schwestern in der Schweiz. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges verhinderte die Rückkehr von einem Deutschlandbesuch dorthin zurück. Eine Rückkehr nach Russland war ebenfalls unmöglich.
Der Vater war in Sibirien verstorben. In Weimar lebten die Kopetz mit anderen russischen Emigranten. So wurde Vera mit dem am Weimarer Bauhaus beschäftigten Maler Wassili Kandinsky bekannt.
An der Staatlichen Zeichenschule in Weimar  erhielt sie den ersten Unterricht. Sie wollte Künstlerin werden.  

In Berlin konnte sie ab 1922 als angestellte Retuscheurin arbeiten und sich in Abendkursen an der Reimann-Schule auf dem Gebiet der angewandten Kunst bilden.



1930 schloss sie die Ehe mit dem Fotografen Edmund Kopetz, aus der 1941 und 1942 ihre beiden Söhne Michael und Christoph hervorgingen. 1944 zog die Familie infolge der Kriegsauswirkungen von Berlin nach Neubrandenburg und 1945 weiter nach Schwerin.






Vera Kopetz hatte ab 1968 neben Schwerin einen ztweiten Wohnsitz in Ükeritz auf der Insel Usedom.




Vera Kopetz und Erich Venzmer lebten in einer Partnerschaft.
Sie bezeichneten das gemeinsam genutzte Haus als ihr "Vogelnest".






Wohnhaus von Vera Kopetz und Erich Venzmer in Ükeritz







Glücksvogel




Auf Usedom fand Vera Kopetz  Anschluss an den Künstlerkreis um Otto Niemeyer-Holststein





Deckenmalerei im Güstrower Ernst-Barlach-Theater von

Vera Kopetz

Vier mit Mosaiksteinchen  besetzt Säulen schmücken das Foyer des Ernst-Barlach-Theaters in Güstrow. Diese, wie auch die Entwürfe für die Mosaiken an den beiden Seiten der Vorbühne, des Theaters stammen von Vera Kopetz.

Die Ausführung der Mosaik-Arbeiten erfolgten nachweislich durch die Firma "Heinrich Jungebloedt Mosaiken" aus Schulzendorf bei Berlin. Mit der, wegen der handwerklichen Perfektion bekannten Firma Jungebloedt, arbeitete neben Vera Kopetz auch die mit ihr befreundete Usedomer Malerin Frau Susanna Kant-Horn zusammen.

                                                

Über die Mosaiktechnik
Als eine dekorative Aneinanderreihung von Steinchen, ist die Mosaiktechnik eine der  ältesten kreativen Techniken.
Anfangs nahm man Tonkegel, die an der Spitze schwarz, weiß oder rot glasiert waren, und drückte sie zur Verzierung und Verstärkung in eine Lehmmauer. Dies wurde von den SUMERERN praktiziert ist nun über 5000 Jahre her.
Die GRIECHEN entwickelten die Mosaikkunst weiter ( ab 6. Jh.v.Ch. ) indem sie  rundgeschliffene Kieselsteine  oder in Quader  gehauene Natursteine in Mörtel betteten und gestalteten so  auf  kunstvolle Weise die Fußböden ihrer Tempel.
Die RÖMER brachten das Mosaik vom Boden an die Wand ( ab  dem 1. Jh.v.Ch.) , wobei sie die Technik noch verfeinerten. Wohlhabende Patrizier schmückten ihre Villen mit farbenfrohen und luxuriösen Kunstwerken aus Marmorsteinchen . In gleichem Maße wie das römische Imperium sich ausbreitete, tat es somit auch die Kunst des Mosaiks.
In der FRÜHBYZANTINISCHEN ZEIT wurde der Einsatzbereich von Mosaiken auf Boden und Wänden nun bis an die Decke erweitert, wobei nun Glasmaterial verwendet wurde, das glänzende Flächen voller Farbe und Leuchtkraft ergab, mit denen man Kirchen, Mausoleen und Taufkapellen ausstattete.
ENDE DES 19.JAHRHUNDERTS, als der Jugendstil aufkam, wurde die Mosaikkunst wiedererweckt. Berühmte Künstler wie Gustav Klimt, Antonio Gaudi und Heinrich Jungebloedt trugen zu dieser Wiederbelebung maßgeblich bei.
Wir verdanken der vielseitigen Künstlerin Vera Kopetz, die in künstlerischer Zusammenarbeit mit Heinrich Jungebloedt, mehrere Mosaike in Güstrow schuf.





Das Mosaik im Foyer der Gehörlosenschule trägt den Namen
"Das Tor zum Leben".
Die Arbeit wurde von Vera Kopetz im Jahre 1953/1954 entworfen und 1957 von der Firma "Heinrich Jungebloedt Mosaiken" in der Schulzendorfer Werkstatt fertiggestellt und und 1957 in ca. 4 Tagen montiert.   
V. Kopetz erhielt für dieses Kunstwerk 1956 den Fritz-Reuter-Kunstpreis des Bezirkes Schwerin.







I
Im Foyer des ehemaligen Kulturhauses Mestlin war bis zur Wende ein in Kasein-Technik ausgeführtes großes Fresko mit dem Titel "Früchte Mecklenburgs" zu sehen. Die Fertigstellung durch Vera Kopetz erfolgte 1958. Durch unsinnige Übermalungen nach 1990 wurde das Bildnis zerstört.







In der  Schule Bernitt befinden sich zwei Mosaik-Bilder die die Ernte vom Äpfeln und Getreide darstellen.
Dies Arbeiten wurden mit der Errichtung der Landschule im Jahre 1958 von Vera Kopetz geschaffen.   






Beide Mosaike befinden sich im Treppenhaus der  Schule in Bernitt bei Bützow.

Wir wurden durch die Beschäftigung mit dem künstlerischen Schaffen von Vera Kopetz  zu deren künstlerische Freundschaft zu Marga Böhmer aufmerksam.
Im Buch von Ditte Clemens über Marga Böhmer erfuhren wir mehr darüber.
Im Besitz der Familie Kopetz und im Museum in Schwerin befinden sich danach von Vera Kopetz gemalte Porträts Marga Böhmers.

Auf dem Böhmer-Porträt, welches sich Besitz der Familie Kopetz befindet (Signatur 63), konnten wir im Vordergrund mit Computerhilfe die Plastik "Russische Bettlerin mit Schale" von Barlach aus dem Jahre 1906 erkennen, die Barlach Marga Böhmer Weihnachten 1924 als sein erstes Geschenk übergab..
Diese Figur hatte offensichtlich einen festen Platz in der Wohnung iMarga Böhmers in der Güstrower Gertrudenkapelle . 
Diese Porzellanfigur befand sich auch auf schon auf einem Foto (siehe unten) aus den 1950er Jahren an gleicher Stelle als auf dem Porträt Marga Böhmers von Vera Kopetz aus dem Jahre 1963. Anlässlich der Eröffnung einer Personal-Ausstellung zum gesamten Schaffen von Vera Kapetz in der Güstrower Galerie Wollhalle im Jahre 2015 durch das Güstrower Museum in Gemeinschaft mit der Familie Kopetz wurde das Marga Böhmer-Porträt durch Herrn Michael Kopetz an den Bürgermeister der Stadt Güstrow, Herrn Arne Schuldt, als Geschenk überreicht.

Unsere Entdeckung der Barlach-Plastik auf dem damals noch im Privatbesitz der Familie Kopetz befindlichem Gemälde, war für uns eine kleine Sensation,   

Wir haben bei unseren Forschungen erst 2016 herausgefunden, dass sich das Güstrower  Museum schon 1982 im direkten Kontrakt mit Frau Vera Kopetz um den den Erwerb des Bildes bemühte. Als wir in Unkenntnis dieses Sachverhaltes 2012 bei einer Veranstaltung des Fördervereins des im Güstrower Ernst--Barlach-Theaters mit Herrn Michael Kopetz eine Kopetz-Ausstellung in Güstrow anregten, wurde von uns auch über die Bedeutung des Böhmer-Bildes für unsere Heimatstadt Güstrow gesprochen. Dass daraus schließlich eine Schenkung an die Stadt Güstrow wurde, hat nicht nur uns sondern alle Besucher der Eröffnungsveranstaltung und andere Kunstfreunde sehr beeindruckt.

Die Ostseezeitung schreibt anlässlich der erfolgreichen Beendigung der
Ausstellung in der Güstrower Galerie "Wollhalle"...

Eine Ausstellung in Güstrow zeigt und würdigt das Werk der Malerin Vera Kopetz (1910-1998).

Güstrow. Die Idee zu dieser Ausstellung ging von zwei Heimatforschern aus: Gernot Moeller und Dieter Kölpien hatten in Güstrow Spuren der Künstlerin Vera Kopetz (1910-1998) entdeckt. Kopetz hatte ein Mosaik für die Güstrower Gehörlosenschule geschaffen, an der Innengestaltung des Ernst-Barlach-Theaters mitgewirkt, auch an der Restaurierung des Güstrower Schlosses in den 1960er Jahren.

Dahinter steht ein interessantes Gesamtwerk von Vera Kopetz – davon ist in der Wollhalle Güstrow jetzt einiges zu sehen. 43 Gemälde sowie Siebdrucke, neun Collagen und acht Plastiken. „Das sind sämtlich Leihgaben aus Privatbesitz“, erklärt Kuratorin Iris Brüdgam. Nun kann der Besucher in Güstrow Werke aus allen Schaffensperioden sehen, vom Frühwerk der Künstlerin aus den 1930er Jahren bis zum Jahr 1997, in den die Gemälde immer abstrakter wurden.

Hinter diesen Werken verbirgt sich auch ein bewegtes Leben: Vera Kopetz wurde 1910 in Sankt Petersburg geboren und gelangte über viele Umwege im Zweiten Weltkrieg erst in die Schweiz und dann nach Deutschland. Der Lebensweg führte Vera Kopetz aus dem zerbombten Berlin nach Schwerin und schließlich nach Usedom, wo ein Großteil ihres Werks entstand. Dort verstarb die Künstlerin 1998.

Eintragungen im Gästebuch der Ausstellung