Heinrich Benox

Leserbrief der Autoren dieser WEB-Seite an die die Schweriner Volkszeitung mit dem Ziel, eine Ehrung für den ehemaligen verdienstvollen Stadtsekretär Heinrich Benox zu erwirken.


Chronik eines Antrages an die Stadtväter auf Ehrung des Herrn  Heinrich Benox durch die Stadt Güstrow


Sehr geehrter Herr Eckhard Rosentreter,

als wir im Sommer 2005 die Ausstellung des Güstrower Stadtarchivs zum Leben und Wirken von Heinrich Benox  verließen, stand für uns fest, dass die höchst ehrenvolle und äußerst beharrliche Arbeit dieses Mannes die höchste Anerkennung durch die Bürger der Stadt Güstrow verdient und die gemeinsam vom Stadtarchiv mit dem Sohn und einem in Güstrow lebenden Enkel des Herrn Benox gestaltete Ausstellung  für uns Anlass gab, diesbezüglich tätig zu werden.

So schrieben wir am 04. Juli 2005 sehr ausführlich an den Bürgermeister und machten den Vorschlag, Herrn Heinrich Benox postum die Ehrenbürgerschaft zu verleihen und anlässlich der 140. Wiederkehr seines Geburtstages, am 10. November 2006, dem Weg vom Goetheplatz über die Wallanlagen in Richtung Hageböckerstraße seinen Namen zu geben.

Einen gleichlautenden Brief sandten wir am 15. Juli 2005 per E-Mail an die Damen und Herren Stadtvertreter, um unserer Anliegen mit deren Unterstützung entscheidenden Nachdruck zu verleihen.

Da wir bis zum 18.08.2005 keine Information aus dem Rathaus erhielten und deshalb fernmündlich Nachfrage zum Bearbeitungsstand beim Sekretariat des Bürgermeister hielten, erfuhren wir von Frau Zimmermann, Stadtentwicklungsamt, Abt. Marketing, Kultur und Tourismus, dass der Bürgermeister eine Zwischennachricht an uns am 01.08.2005 unterschrieben hätte.

Obwohl auf unserem Brief an den Bürgermeister eine E-Mail Adresse mitgeteilt wurde, bekamen wir erst nach dieser Nachfrage am 18.08.2005 per E-Mail von Frau Zimmermann die Nachricht zugesandt, in der uns der Bürgermeister für die konkreten Vorschläge dankte und diese in der Verwaltung geprüft würden.

Am 19.09. 2005 erhielten wir per Fax die vom Bürgermeister am 12.09. 2005 unterschriebene folgende Mitteilung,
Zitat „…Ihr Antrag wurde im Hauptausschuss am 01.Setember behandelt. Im Ergebnis hat dieser beschlossen von einer Ehrenbürgerschaft postum für Herrn Heinrich Benox abzusehen. Der Ausschuss für Jugend, Schule, Kultur und Sport wurde beauftragt, eine Form der Würdigung der Leistungen von Herrn Benox zu prüfen und diesen Vorschlag dem Hauptausschuss vorzulegen. Die nächste Sitzung des Ausschusses für Jugend, Schule, Kultur und Sport findet am 19. September statt, ich werde Sie entsprechend über den Stand informieren“. ( Zitat Ende).


Diese Zwischenantwort veranlasste uns, dem Bürgermeister Schuldt und dem Stadtpräsidenten Wolf am 07.10.2005 wiederum zu schreiben und unser Bedauern darüber auszudrücken, dass es über die Verleihung der Ehrenbürgerschaft für Heinrich Benox im Haupausschuss eine Geringschätzung seiner Verdienste geben würde und der ehemalige Reichstatthalter und Gauleiter von Mecklenburg, Friedrich Hildebrandt, der wegen seiner Untaten gegenüber amerikanischen Fliegern zum Tode verurteilt wurde, noch in der Liste der Güstrower Ehrenbürger steht.

Da es nach diesem Briefen bis Ende November keine weitere Mitteilung aus dem Rathaus gab, meldeten wir uns zu einem Gespräch beim Stadtpräsidenten Herrn Wolf an, welches zunächst am 22.11.2005 stattfinden sollte, dann jedoch auf Bitte des Stadtpräsidenten auf den 06.12.2005 verlegt wurde.

Dieses Gespräch fand in vollständiger Übereinstimmung darüber statt,
dass
- eine Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Friedrich Hildebrandt kurzfristig auf der Grundlage der Satzung über die Ehrenbürgerschaft durch einen Beschluss der Stadtvertretung wegen der klaren Sachlage schnellstens herbeigeführt werden wird.

- die Stadtvertretung die Entscheidung über die Ehrenbürgerschaft für Heinrich Benox zu treffen habe und die Beratung im Hauptausschuss der entgültigen verantwortungsbewussten Entscheidungsfindung durch die Stadtvertretung lediglich vorausgegangen sei.

- über eine angemessene Würdigung Heinrich Benox nun sehr schnell entschieden werden könne, da mehrere geeignete Vorschläge innerhalb des Rathauses bekannt seien.

Wir erklärten zum Gesprächsende, dass wir entschlossen seien, diesen Standpunkt  auch in einer Fragestunde der Stadtvertretersitzung am 08.12.05 vorzutragen.


Der Stadtpräsident versicherte, dass er seinerseits die Gelegenheit wahrnehmen würde, unsere gemeinsame Ansicht vor den Stadtvertretern darzulegen und eine zügige Herbeiführung der Beschlüsse erwirken wird.

Am 08.12.05 rief uns Frau Behn vom Büro des Stadtpräsidenten an und teilte uns mit, dass Herr Wolf  leider an der Stadtvertretersitzung nicht teilnehmen könne, jedoch am 14.12. 05 die Gelegenheit hätte den Stadtvertretern unseren Standpunkt vorzutragen.
Wir gehen davon aus, dass die Stadtvertreter durch den Stadtpräsidenten zur Entscheidung in dieser Angelegenheit aufgefordert wurden.
Das heißt konkret, dass die Verwaltung und der Hauptausschuss ihre vorbereitenden Prüfungen zum Abschluss bringen und entsprechende Beschlussvorlagen auf den Tisch der Stadtvertreter gelegt werden.  

Uns wurde in dem Gespräch mit dem Stadtpräsidenten bekannt, das es einen Vorschlag aus der Stadtverwaltung gäbe, der  vorsieht, das Archiv der Stadt Güstrow mit dem Namen Heinrich Benox zu verbinden.
Eine Umbenennung des Stadtarchivs Güstrow in
                                     Stadtarchiv Güstrow „Heinrich Benox“
findet unsere Zustimmung und brächte in einfacher und wirkungsvoller Weise die Wertschätzung für das Lebenswerk dieses verdienstvollen Mitbürgers durch die Güstrower Bürger zum Ausdruck.
Diesen Standpunkt brachte wir in unseren nochmaligen Schreiben an Bürgermeister und Stadtpräsidenten am 15.01.2006 zum Ausdruck.
In diesem Brief teilten wir  auch mit, dass auch weitere nachstehend genannte Bürger eine solche Namensgebung für das Archiv der Stadt Güstrow nachdrücklich unterstützen:
Herr Adolf Neumann, Verwaltungsleiter Krankenhaus i.R.
Herr Kurt Zimmermann,
Herr Prof. Dr. Friedrich Lorenz, Hochschullehrer i. R.
Herr Manfred Eickmann, Elektromeister i. R.
Herr Prof. Dr. Ralf-Jürgen Girbig, Hochschullehrer i.R.
Frau Ramona Haase, Germanistin und Anglistin
Herr Rainer Benox, in Güstrow lebender Enkel des Heinrich Benox,
Frau Gisela Scheithauer, Diplomlehrerin i. R.
Herr Manfried Scheithauer, Diplomlehrer i. R.

Letzte Information zu unserem Antrag erhielten wir nun durch die Veröffentlichung Ihres Beitrages über die Sitzung des Hauptausschusses vor wenigen Tagen aus SVZ.

Die banale Stellungnahme des Abgeordneten Dr. Gerhard Jacob (GWL) gegen den Vorschlag des Ausschusses für Jugend, Schule, Kultur und Sport, (dieser sieht vor, dem Archiv den Ehrennahmen „Heinrich Benox“ zu verleihen) mit der Begründung, er sei in sofern „irreführend“, weil es sich bei dem Archiv nicht um das Archiv des Herrn Benox handele, sondern eine „offizielle Einrichtung“ der Stadt sei, und dazu passe der Name einer Person nicht, ist mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbar. Nur sehr weltfremde Mitbürger kämen bei den nahezu 60 Namensgebungen für „städtische Einrichtungen“ in Güstrow auf den Gedanken, das diese der Person gehören, dessen Ehrennamen sie auf der Grundlage „offizieller“ Beschlüssen der Stadtvertretung tragen dürfen.
Die Beweggründe des Bürgermeisters, der ebenfalls gegen den Vorschlag der Namensgebung stimmte, berührt uns peinlichst, wir können ihn nicht nachvollziehen. Sein Vorschlag, eine kleine Plexiglastafel zu beschriften, liegt noch unter dem Niveau des Vorschlages des Abgeordneten Weber, der wenigstens noch ein Türschild aus Messing  für Benox für angemessen hielt.

Wir hoffen noch, dass sich die bekannt gewordenen ablehnenden Meinungen nicht durchsetzen.
Wir fordern die Stadtvertreter auf, sich eindeutig für die Namengebung Stadtarchiv Güstrow „Heinrich Benox“ einzusetzen. Mit einer Ablehnung des Vorschlages würde nicht nur die sehr geeignete Ehrung eines verdienstvollen Mitbürgers unterbleiben, sondern auch das Ansehen der Stadtvertretung ein weiteres Mal leiden.

Auf der großen freien Fläche an der Ostseite des Archivs könnte eine Beschriftung, ähnlich der, wie sie seit einiger Zeit an der Uwe Johnson Bibliothek angebracht ist, erfolgen. Damit würde außerdem das sehr  versteckt gelegene Archiv besser von  Besuchern gefunden werden.
Wenn auch die Bezeichnung solcher „offiziellen Einrichtungen“, wie „Uwe Johnson Bibliothek“, „Barlachstadt Güstrow“ oder künftig, Stadtarchiv Güstrow „Heinrich Benox“, einen Abgeordneten Jacobs in die Irre führen, dürften sie von der übergroßen Mehrheit der Güstrower und der Besucher der Stadt richtig gedeutet werden.

Es geht in der Stadtvertretersitzung am 16.02.05 ganz einfach darum, ob die Stadtvertreter sich in angemessener würdiger Weise für die Namensgebung einer Stätte  entscheidet, zu dessen archivarischem historischen Reichtum Heinrich Benox einen sehr großen Beitrag in 50-jähriger hingebungsvoller Tätigkeit für die Stadt geleistet hat.

Mit freundlichen Grüßen 


Dieter Kölpien    Gernot Moeller

 

Dieser  Brief erschien ungekürzt in der SVZ vom 16.02.06 

Nach diesem Brief wurde die Stadtvertretung schließlich aktiv. Das Stadtarchiv erhielt den Namen "Heinrich Benox" und der Name Friedrich Hildebrandt wurde aus der Ehrenbürgerliste enfernt.