8. Studien zur Geschichte der Pfarrkirche Sankt Marien zu Güstrow

Die Güstrower Pfarrkirche wurde erstmals im Jahre 1308 erwähnt. Im Juni 1503 - beim ersten großen Stadtbrand Güstrows - wurde die Kirche zerstört. Der spitze Turm stürzte ein. Der sofortige Aufbau führte zur erneuten Weihe der Kirche im Jahre 1508. Zwei weitere Stadtbrände (1508 u. 1512) überstand die Kirche, ohne Schaden zu nehmen. Seit 1534 wurde in der Pfarrkirche evangelisch-lutherisch Gottesdienst gehalten. Der Turm wurde wegen Geldmangels nach dem ersten Brand zunächst als Pyramidendach (siehe Stadtansichten von Vicke Schorler und Caspar Merian) ausgeführt und erhielt erst 1865 unter dem Patronat des Rates der Stadt seine heutige Laternenform (Turmhöhe 53m). Um 1780 wurde die Kupferdeckung ausgeführt und die einst im Rathaus betriebene Uhr in den Turm der Pfarrkirche eingebaut. Hahn und Knopf wurden neu vergoldet. In die Kugel legte man einen Bericht über die Nöte, die der Siebenjährige Krieg über Stadt und Land gebracht hatte(1756-1763). 1833 wurde die Kugel erneut geöffnet und die in Güstrow wütende Choleraepidemie, die 227 Menschen innerhalb von sieben Wochen hinwegraffte, dokumentiert. In der Urkunde wurde auch an die 300-jährige Wiederkehr des Ereignisses der ersten evangelischen Predigt in der städtischen Pfarrkirche erinnert.

 


1880 bis 1883 erfolgte der Umbau der Kirche nach Plänen und Zeichnungen vom Baurat Daniel durch Landbaumeister Koch zu der heutigen dreischiffigen Hallenkirche (Kostenaufwand 150.000 M). Die Kirche ist reich verziert und mit Kunstgegenständen geschmückt. Die bekannteste Sehenswürdigkeit ist der geschnitzte und mit Ölfarben auf Kreidegrund reich bemalte mittelalterliche Altarschrein im Stil der Spätgotik von dem Brüsseler Meister Jan Bormann.

 

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Das Auffinden einer Glockenguss-Grube bei Ausgrabungen an der Armensünderstraße veranlasste uns zu der Anregung von genauen Untersuchung darüber, ob zwischen der Gussgrube und der Glocke von 1425 in der Pfarrkirche ein Zusammenhang besteht. Anhand der erfolgtem Röntgenuntersuchungen durch ein Team von Wissenschaftlern der Universität Greifswald kann die Identität zwischen der Taufglocke und den Schlackenresten nicht eindeutig zugeordnet werden, sie sei aufgrund der Quotientenähnlichkeiten einiger wichtiger Bronzebestandteile (Sb, Cu, Sn, Fe) allerdings auch nicht auszuschließen.