9.2 Chronologie des "Schwebenden" von Ernst Barlach

In eigener Sache
Anlässlich der Übergabe einer Broschüre (200 Expl.) zur Rezeptionsgeschichte des Schwebenden von Ernst Barlach an den Kirchgemeinderat des Doms machte Dieter Kölpien nachstehende Ausführungen.


Sehr geehrte Herren,

als ich am Abend des 23.08.2010 zu der Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an den Tag der  Abnahme des „Schwebenden“ im Jahre 1937 in der Winterkirche eintraf, verblieb mir bis zum Beginn des Vortrages durch Pastor Dr. Christian Bunners aus Berlin über die Freundschaft zwischen Johann Schwartzkopff und Ernst Barlach noch genügend Zeit, um festzustellen, dass unter der überschaubaren Besucheranzahl keiner der exponierten Güstrower Stadtvertreter zugegen war.
Diesen Termin hatte man im Rathaus offensichtlich übersehen bzw. für unbedeutend gehalten.
Der Slogan -100 Jahre Barlach in Güstrow- auf Plakaten sowie die posthume Ehrung Barlachs mit der Ehrenbürgerschaft der Barlachstadt Güstrow, dazu noch der Vertrieb von Barlach Briefmarken und Barlach Rotwein in der Güstrow Information schienen den Stadtvertretern wohl genügend Ehrung für Ernst Barlach zu sein.
Ich empfand die Abwesenheit von Vertreter der Barlachstadt Güstrow als äußerst peinlich und hätte mir sowohl dessen Anwesenheit als auch die Anwesenheit eines Vertreters der Landeskirche, den ich ebenfalls vermisste, gewünscht.
Das Gedenken an das Ereignis der Abnahme von Barlachs Engel wurde durch den Vortrag von Dr. Christian Bunners beeindruckend gewürdigt.

Mich hatte diese Veranstaltung dazu angeregt, meine unvollständigen Kenntnisse über Barlachs Schwebenden durch ein intensives Studium der Rezeptionsgeschichte entscheidend zu beheben.
Hierzu fand ich, wie schon vielmals zuvor, bei anderen stadtgeschichtlichen Studien, in Herrn Gernot Moeller einen ebenfalls wissbegierigen Partner. Nachdem wir ca. 60 Literaturquellen gesichtet, sehr viel telefoniert und ca.100 Mails mit einschlägigen Experten ausgetauscht und einen sehr engen und ergiebigen Kontakt zum Bereich Öffentlichkeitsarbeit der Kölner Antonitercitykirche geknüpft hatten, erschien es uns angesichts der Fülle an Material sinnvoll, die bisherigen Ergebnisse unserer Recherchen zu Papier zu bringen.
Die enge Zusammenarbeit mit dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit der Antoniterkirche in Köln wurde durch die Tatsache befördert, dass dort zwei Mitarbeiterinnen zeitgleich mit uns an einem eigenen Buch über den Barlach-Engel arbeiteten und so der Austausch von Rechercheinformationen zwischen uns sehr begünstigt wurde.
So konnten unsere Erkenntnisse nach einem Besuch des Landeskirchlichen Archivs in Schwerin, an dem Herr Raimund Schmidt sehr hilfreich mitwirkte, unmittelbar mit den Recherchen der Kölner Autorinnen abgeglichen werden.
Diese enge Zusammenarbeit ermöglichte sehr detaillierte Erkenntnisse über die Herstellung des Drittgusses und dessen Übergabe an die Domgemeinde Güstrow.
Uns kam bald die Idee, die von uns zusammengetragenen Daten und Fakten in einer Broschüre zusammenzufassen und diese der Domgemeinde als Dokumentation über den Schwebenden in Form einer Spende zur Verfügung zu stellen. Herr Gerhard Schmidt, Geschäftsführer der CEN GmbH,  
unterstützte dieses Vorhaben finanziell mit einer geldwerten Spende von 350,00 €, so dass der Druck von 200 Exemplaren der Broschüre und einige Dokumentensammlungen für Museen, Archive und Bibliotheken möglich wurde.
Diese Spende soll nun ebenso, wie zuvor der Vertrieb unserer Broschüre über die Glocken der Domkirche dazu beitragen, die Restaurierungsarbeiten am Ulrich-Epitaph finanziell zu unterstützen.

Wie wir zum Anfang unserer Broschüre formulierten,
empfehlen wir den Besuchern des Güstrower Doms und Lesern dieser Broschüre, die nicht nur an einer chronologischen  Zusammenstellung der Daten und Fakten der Geschichte des Schwebenden interessiert sind, sondern sich eingehender, aus kunsthistorischer Sicht mit dem Künstler Ernst Barlach und der ausführlichen Rezeptionsgeschichte des Güstrower Ehrenmals beschäftigen möchten, das Buch von Dr. Volker Probst, Geschäftsführer der Barlach-Stiftung Güstrow,
Ernst Barlach, Das Güstrower Ehrenmal, Eine Monographie, zum 60. Todestag, Hrg. Volker Probst, Verlag E. A. Seemann, Leipzig 1998 


Daten und Fakten
zum


„Güstrower Ehrenmal“
für die im Ersten Weltkrieg
gefallenen Mitglieder
der Güstrower Domgemeinde


recherchiert, zusammengestellt und gespendet als
 Dokumentation für die Domgemeinde Güstrow


aus Anlass der postumen
Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Ernst Barlach durch die Barlachstadt Güstrow am 1. Oktober 2010

von
Dieter Kölpien, Gernot Moeller und Gerhard Schmidt


1926: mehr lesen - Eine Idee wird geboren.

1927: mehr lesen - Vom Werksmodell zum Bronzeguss und dessen erste Hängung.

1929: mehr lesen - Gestaltung der Seitenfenster im nördlichen Seitenschiff.

1933: mehr lesen - Beginn der Diffamierung und Hetze gegen Barlach'sche Kunstwerke.

1936: mehr lesen - Der "Niederdeutsche Beobachter " verunglimpft die Kunst Barlachs.

1937: mehr lesen - Die "wundersame Wandlung" des Museumsdirektors Josephi. Abnahme des "Schwebenden" am 23. August.

1938: mehr lesen - Odyssee des "Schwebenden".  Barlachs Tod.

1939: mehr lesen - Gründung der Nachlaßverwaltung. Sicherungsguss (Zweitguss) des "Schwebenden".

1940: mehr lesen - Der Zweitguss im sicheren Versteck.

1941: mehr lesen - Beschlagnahme und Abholung zur Verschrottung

1944: mehr lesen - Zerstörung des Werkmodells durch Kriegseinwirkung

1945: mehr lesen - Suizid des Ehepaares Böhmer.

1947: mehr lesen - Die Existenz des Zweitgusses wird bekannt.

1948: mehr lesen - Das Vorhaben, den "Schwebenden" in einer Ausstellung in Köln zu zeigen, zerschlägt sich.

1950: mehr lesen - Bemühungen zur Rückführung des Schwebenden nach Güstrow und erste Beratungen zu einem Drittguss.

1951: mehr lesen -  Verkauf des Schwebenden (Zweitguss) an Köln und Auftrag zum Drittguss für den Dom zu Güstrow.

1952: mehr lesen - Drittguss bei Noack, Berlin und Auslieferung an den Dom zu Güstrow.

1953: mehr lesen - Aufhängung im westlichen Seitenschiff.

1961: mehr lesen - Erweiterung des Gedenksteins um die Jahreszahlen 1939-1945

1968: mehr lesen - Aufhängung im westlichen Joch des nördlichen Seitenschiffes.

1985: mehr lesen - Aufhängung im östlichen Joch des nördlichen Seitenschiffes 

1987: mehr lesen - Im Schleswig-Hollsteinschen Landesmuseum wird ein weiterer Guss des Schwebenden gezeigt.

 

 

Abschließende Anmerkung zur Broschüre und Dank der Autoren
Wir haben bei unseren Recherchen nicht die unterschiedlichen eigentumsrechtlichen Auffassungen an dem „Güstrower Ehrenmal“ übersehen und uns hierzu eine eigene Meinung gebildet.
Da uns bei unseren Studien jedoch auch bekannt wurde, dass über die unterschiedlichen Ansichten zwischen den Beteiligten in einer juristischen Form eine Vereinbarung getroffen wurde, halten auch wir uns mit unserer Meinung an dieser Stelle zurück.
Die Zusammenstellung der Daten und Fakten in dieser schlichten Broschüre für die Domgemeinde war uns nur möglich, weil uns von vielen Stellen bereitwillig Unterstützung beim Quellenstudium, durch Gespräche sowie bei der Finanzierung des Druckes gewährt wurde.
Für die bereitwillige Hilfe bei unseren Recherchen danken wir besonders dem Landeskirchlichen Archiv beim Oberkirchenrat in Schwerin, Frau Karoline Krüger. (Die hier vorgefundenen sorgfältigen Recherchen und exakt aufbereiteten Schriftsätze zu eigentumsrechtlichen Fragen durch den ehemaligen Kirchenarchivrat Piersig waren für unsere Zusammenstellung von Daten und Fakten besonders wertvoll.) Ferner danken wir
- der Antonitercitykirche Köln, -Öffentlichkeitsarbeit-, Frau Antje Löhr-Sieberg,
- dem Archiv der Stadt Güstrow „Heinrich Benox“, Frau Doris Dieckow – Plassa
- dem Museum der Stadt Güstrow, Frau Iris Brüdgam
- der Domgemeinde zu Güstrow, Herrn Propst Christoph Helwig und Herrn Küster Helmut Steinhagen,
- dem ehemaligen Leiter der Kirchen-Bauhütte, Herrn Raimund Schmidt
- Bildarchivar, Herrn Rainer Benox,
- Frau Johanna Schult, Zeitzeugin, Schwiegertochter von Friedrich „Lütten“ Schult,
- CABLE ENGINEERING NORD GMBH Güstrow, Geschäftsführer Herrn Gerhard Schmidt.
Es gab leider auch Stellen, die auf Gesprächsanfragen nicht reagierten oder zu Detailfragen nicht auskunftsbereit waren.

Die Autoren
Dieter Kölpien & Gernot Moeller

 

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