1926:

Am 13.04.1926 schrieb der Güstrower Landessuperintendent Kittel
an den Oberkirchenrat von dem Plan des Domgemeinderates, aus Anlass des 700-jährigen Domjubiläums (1926) unter der Eiche auf dem Domplatz einen Findling als Gedenkstein für die Gefallenen des 1. Weltkrieges zu errichten. (1) Von mehreren kunstsachverständigen Güstrowern, besonders von dem bekannten Künstler Barlach sei jedoch davon abgeraten worden. Barlach deutete an, im niedrigen Gewölbe des Seitenschiffes eine schwebende Figur, die ganz in sich geschlossen sei und das Höchste an Konzentration darstelle, zu schaffen. Er wolle nicht daran verdienen und bäte nur um den Ersatz der Unkosten. Ein positives Gutachten des Museumsdirektors in Schwerin und Landesdenkmalpflegers Josephi vom 16.04.1926 unterstützte die Kritiker der Findlingsidee. Mit dem Angebot Barlachs könne man dagegen ein Denkmal erwarten, das  „…unter Umständen Güstrow zu einer Berühmtheit in ganz Deutschland, ja sogar bei dessen Weltruf zu einer Berühmtheit weit über Deutschlands Grenzen hinaus machen“ würde. (2)
Weitere Gutachten wurden durch Pastor Schwartzkopff vom Lübecker Museumsdirektor Heise, vom ehemaligen mecklenburgischen Großherzog Friedrich Franz IV aus Ludwigslust und vom Schweriner Kunsthistoriker und Museumsrat Reifferscheid eingeholt, um auf diese Weise der abwartenden Haltung des Oberkirchenrates entgegen zu wirken. Landesbischof Behm antwortete am 26.07.1926, unter Bezug auf eine negative Kritik über eine Barlachausstellung in München, in der Barlach „Dilettantismus“ vorgehalten wurde, dass es ihm geboten schiene, mit der Heranziehung Barlachs für ein Denkmal im Dom Vorsicht zu üben. (3)
02.08.1926, Landessuperintendent Kittel informierte Landesbischof Behm darüber, dass Schwartzkopff und Reiferscheidt sowohl das Barlachmodell in dessen Atelier als auch den vorgesehenen Standort im Dom besichtigt hätten.
Der Oberkirchenrat bat daraufhin den angesehenen Rostocker Prof. Bruhns am 05.08.1926 um ein Gutachten. Am17.08.1926 schrieb Bruhns handschriftlich u. a. „…Barlach ist wirklich einer der ganz wenigen eigenen, echten, innerlichen Gestalter der Gegenwart. Kein zweiter zur Zeit in Deutschland lebender Bildhauer gewinnt bei allen Kennern ein so gefestigtes und allgemeines Ansehen. …
Nur Unkenntnis oder Böswilligkeit kann seinen bildhauerischen Arbeiten „Dilettantismus“ nachsagen.“(4)
Am 19.08.1926 wurde dem Güstrower Landessuperintendenten Kittel durch den Oberkirchenrat mitgeteilt: „es wird nunmehr auch von kirchlicher Seite alles getan werden müssen, um den Plan zu fördern.“ (5) Barlach nahm im Dezember 1926 die Arbeit am Großmodell zum „Güstrower Ehrenmal“ für die Gefallenen des 1. Weltkrieges in seiner neuen Werkstatt in der Walkmühlenstraße 21 in Güstrow auf.