1927:

Die Entstehungsgeschichte des „Güstrower Ehrenmals“ ist von Probst in einer Monographie (6) und in den Werkverzeichnissen über das plastische Werk Barlachs von Schult (7) bzw. aktuell von Probst und Laur (8) im Detail beschrieben. Weitere geschichtliche Werkangaben sind in Ausstellungskatalogen (9), z. B. von Jansen, zu finden. Der Prozess des Barlachschen Schaffens an dem Güstrower Engel ist dank dieser Beschreibungen sehr gut zu verfolgen. Zahlreichen Kohlezeichnungen im Jahre 1926 folgten zunächst mehrere Vorentwürfe und Vormodelle in Gips und Bronze sowie schließlich die Schaffung des Werkmodells 1:1 in Gips zu Jahresbeginn 1927 durch Barlach in seiner Werkstatt in Güstrow (Maße des Werkmodells 1:1: H: 74,5 cm, B: Schulterbreite 74,5 cm, T: 217,0 cm). (10) Im Februar 1927 erinnerte sich der Barlachfreund Schwartzkopff, „Unvergeßlich bleibt mir die Stunde, als wir zu dritt in das Atelier kamen, das Tonmodell zu sehen, das auf zwei Eisenschienen ruhte und im dunklen Schweigen dem Beschauer den Mund schloß.“ (11) Daraufhin folgte der Transport des Werkmodells zur Bildgießerei Noack nach Berlin-Friedenau. Nach der Abformung des Werkmodells für die Gussform in der Gießerei erfolgte dort schließlich bis zum 16.03.1927 der Bronzeguss. Am 07.05.1927 erfolgte die Absendung des Engels von der Bildgießerei als Eilfracht an die Güstrower Domgemeinde. Am 29.05.1927 wurde der „Schwebende“ an einer von Barlach persönlich ausgewählten Stelle im östlichen Joch der Nordhalle im Dom zu Güstrow über einem schmiedeeisernen Füntegitter aus dem 18. Jhdt. (Durchmesser 2 m) aufgehängt und geweiht. Dies erfolgte aus Anlass des 1926 begangenen 700jährigen Jubiläums der Kirchweihe, zu dessen Wiederkehr das „Güstrower Ehrenmal“ für die Gefallenen des Weltkrieges eigentlich errichtet werden sollte.
Im Innenring des Gitters wurde auf dem Boden ein kreisförmiger Gedenkstein mit den Jahreszahlen 1914 -1918 abgelegt und in der Nähe der Hängung das Gedenkbuch mit den Namen der 234 Gefallenen der Domgemeinde auf einem eigens hierfür gefertigten  Tisch platziert. Bereits am 11.04.1927 kam durch die Freundschaft Barlachs zum Domprediger Schwartzkopff und Barlachs eigener Beziehung zum Güstrower Dom die Schenkung des „Güstrower Ehrenmals“ für die Domgemeinde zustande. Das  war in seiner Gesamtheit ein Geschenk des Künstlers Ernst Barlach an seine Domgemeinde, welches den von ihm ausgewählten und nach seinen Vorstellungen hergerichteten Platz im östlichen Joch der Nordhalle in sein Kunstwerk einschloss.
Die Guss- und Transportkosten in Höhe von 5.500 RM wurden von der Domgemeinde übernommen. Zehn Großspenden von Güstrower Bürgern und die Abgabe von Kunstgegenständen aus dem Domschatz an das Landesmuseum Schwerin (12), das danach Zahlungen in Höhe von 2.500 RM aus Landesmitteln ermöglichte, gewährleisteten die Finanzierung des Gusses bei Noack in Berlin. (Maße des Erstgusses von 1927: H: 71,0 cm (hintere Schrägfläche 74,5 cm), B: Schulterbreite 74,5 cm, T: 217,0 cm, Signatur unten links- EBarlach-. Guss von Hermann Noack, Berlin-Friedenau.) (13)
In der Mecklenburgischen Tageszeitung vom 01.06.1927 fanden die Leser nun auch die veröffentlichte Meinung des Rostocker Professors Bruhns zum Denkmal im Güstrower Dom: „Barlach ist wirklich einer der ganz wenigen eigenen, echten, innerlichen und starken Gestalten der Gegenwart; kein zweiter zur Zeit in Deutschland lebender Bildhauer genießt bei allen Kennern ein so gefestigtes und allgemeines Ansehen wie er….Nur der ganz besondere Umstand, dass er den Güstrower Dom liebt, kann Mecklenburg das Glück verschaffen, von dem bedeutendsten Bildhauer, der seit Jahrhunderten in seinen Grenzen lebt, ein Werk zu erhalten“. (14) Der mit „Schw.“ unterzeichnete Beitrag verweist nach Auffassung der Verfasser auf den damaligen Domprediger und Freund Barlachs, Schwartzkopff. Dieser reagierte hiermit auf das sehr distanzierte Verhalten der Güstrower Domgemeinde und der Öffentlichkeit auf das „Güstrower Ehrenmal“.