1937:

Am 12.06.1937 distanzierte sich Josephi in einem Brief an Pastor Harloff, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Domgemeinderates war, von Barlach und erklärte, entgegen seiner positiven Aussage von 1926: „Ich möchte bemerken, dass ich von Anfang an gegenüber dieser Barlach‘schen Schöpfung den Ausdruck  angewandt habe „Unzulängliche Lösung des Problems einer fliegenden Gestalt unter unerfreulicher Primitivität der Form“ … (19) Am 25.06.1937 antwortete Domprediger Harloff Josephi, dass es an der Zeit wäre, das „Güstrower Ehrenmal“ aus dem Dom zu entfernen und schlug vor, dieses im Landesmuseum Schwerin unterzubringen. (20) Er machte sich damit zur treibenden Kraft der Güstrower Domgemeinde zur Entfernung des Ehrenmals. (21) Am 09.08.1937 erhielt der Oberkirchenrat in Schwerin abschriftlich Kenntnis von einem mit - Vertraulich! - gekennzeichneten Schreiben des Mecklenburgischen Ministeriums Abteilung für Kunst, unterzeichnet von Minister Scharf vom 07.08.1937, an die Verwaltungen des Landesmuseums in Schwerin und anderer Museen. In diesem Schreiben wurde auf die Rede des Führers und Reichskanzlers Hitlers anlässlich des Tages der Kunst in München und dem danach getroffenen Erlass der preußischen Regierung vom 28.06.1937 verwiesen. Ausdrücklich wurde erklärt, dass alle Barlachwerke aus preußischen Schausammlungen zu entfernen seien. Der Minister riet, der Oberkirchenrat möge prüfen, ob die Entfernung des vom Bildhauer Barlach herrührenden Gefallenendenkmals im Dom zu Güstrow für angezeigt gehalten werde. (22)
Landessuperintendent Kentmann übermittelte dem Oberkirchenrat am 12.08.1937 im Zusammenhang mit der zu erwartenden Abnahme des „Schwebenden“: „Herr Professor Wandschneider aus Plau besuchte uns hier auf unsere Bitte, die Schaffung eines Denkmals durch ihn berechnet er mit etwa 12.000 M, so ist daran gar nicht zu denken“. (23) Ein Entwurf ist in kirchlichen Akten in Güstrow und Schwerin nicht erhalten. Die Abnahme des „Schwebenden“ erfolgte auf der Grundlage des Beschusses des Oberkirchenrates Schwerin vom 17.08.1937 (24) und wurde mit Schreiben des Oberkirchenrats vom 18.08.1937 an den Güstrower Landessuperintendenten und 1. Domprediger Kentmann zur Erledigung möglichst zum 23. d. M. angewiesen. (25) Am 20.08.1937 schrieb die Presse „Die zuständigen Stellen haben nunmehr beschlossen, das von dem Bildhauer Ernst Barlach im Jahre 1926 geschaffene Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges aus dem Dom zu Güstrow entfernen zu lassen„ (26) Am Nachmittag des 23.08.1937 wurde der „Schwebende“ in Anwesenheit des 2. Dompredigers Pastor Harloff, der sowohl als Vorsitzender den Kirchgemeinderat der Domgemeinde, als auch den wegen einer Vortragsreise verhinderten Güstrower Landessuperintendenten Kentmann vertrat, und des Oberkirchenrates Krüger–Haye, anwesend als Vertreter des amtierenden Oberkirchenrats Schwerin, durch die Fa. Pierstorff aus Güstrow abgehängt. Hierüber wurde dem amtierenden Oberkirchenrat am 24.08.1937 durch Oberkirchenrat Krüger–Haye schriftlich berichtet. (27) Das von Barlach in einem Brief an Wolf von Niebelschütz genannte Datum der Abnahme des „Schwebenden“ im Dom („Am 24sten d. M ist der Engel im hiesigen Dom abgehängt“) (28) beruht auf einem Irrtum Barlachs. (29), (30) Damit war das letzte Ehrenmal Barlachs aus der Öffentlichkeit entfernt worden. Die Abhängung des Kunstwerkes in Güstrow erfolgte gegen den dokumentierten Willen der amtsenthobenen Güstrower Domprediger Propst Koch und Pastor Schwartzkopff. Sie hatten für den Fall der unumgänglichen Abhängung die Rückgabe des „Schwebenden“ an Barlach und die 10 Großspender vorgeschlagen. (31) Sorgfältig, in einer Kiste verpackt, wurde der „Schwebende“ nach der Abnahme zunächst in der Nähe des Turmes im Güstrower Dom verwahrt, (32) danach nach Schwerin in das Stephanus-Stift bzw. in das Landeskirchenarchiv in der Apothekerstraße verbracht. (33)