Denkmal für Carl Philipp Emanuel Bach im Güstrower Rathaus?

Bei Recherchen in der historischen Bibliothek unseres Museums wurden wir auf einen Schriftwechsel aufmerksam, der 1925 zwischen den Herren Heinrich Miesner aus Flensburg und Friedrich Schult aus Güstrow geführt wurde. Herr Miesner schrieb an seiner Dissertation und war als cand. phil. und Gymnasialmusiklehrer an der Klärung folgenden Sachverhaltes interessiert: Miesner war beim Lesen der vom preußischen Finanzminister Bitter 1868 veröffentlichten Biographie über C.P.E. Bach, auf eine Quellenangabe im „Magazin für Musik“ (Jahrgang 1, 1783, Seite 556 – 557, Herausgeber war Professor Carl Friedrich Carsten in Kiel) gestoßen, in der von der Enthüllung eines Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Denkmals im Güstrower Rathaus, anlässlich des Konzertes der Güstrowschen musikalischen Societät, am 04.03.1873 die Rede war. Dort ist zu lesen: „Am 4ten März dieses Jahres, stiftetet die Güstrowsche musikalische Societät dem Vater unserer deutschen Musiker, Herrn Carl P. E. Bach, an dem am 4ten Februar neu erbauten Orchester, ein Denkmal, von dem ich Ihnen eine Zeichnung hierbey sende. Das Publikum, welches zu einem Concert eingeladen war, ward nicht wenig überrascht da ihm sogleich beym Eintreten im Saal, dieser Gegenstand ins Auge fiel.“ Bei der musikalischen Societät handelte es sich um eine Vereinigung Güstrower Musiker und musizierender Bürger, dessen Orchester seit dem 03.10.1781 Konzerte im Rathaussaal gab. Das Orchester wurde von dem in Güstrow als Organist an der Pfarrkirche tätigen Johann, Carl, Christian Fischer geleitet. Miesners erste Anfragen an den Rat der Stadt vom 07.09.1925 lauteten: „Hat dort solches Denkmal gestanden? Steht es noch?“ Ein in Güstrow angebrachter Bearbeitungsvermerk auf dem Original lautete „Es liegt wohl Ortsverwechselung vor (Unterschrift)…, weiterer Vermerk ist nicht lesbar). Die schriftliche Antwort des Rates der Stadt Güstrow hierauf fanden wir in dem von Heinrich Miesner 1929 geschriebenen Buch „Philipp Emanuel Bach in Hamburg – Beiträge zu seiner Biografie und zur Musikgeschichte seiner Zeit“, Neudruck Dr. Martin Sändig oHG., Wiesbaden 1969. Dort auf der Seite 48 steht: „Auf eine Anfrage beim Rate der Stadt Güstrow erhielt ich zur Antwort (09.09.25), daß dort von einem Denkmal Ph. E. Bach nichts bekannt sei. („Güstrau“ ist die alte Schreibweise für Güstrow).“ Miessner schrieb dennoch am 18.09.1925 eine weitere Karte an Friedrich Schult und nannte noch einmal genau die Quellen seiner Informationen über das Bach-Denkmal in Güstrow. Friedrich Schult benannte in seinem Antwortbrief vom 24.09.1925 an H. Miesner ebenfalls mehrere Schriftquellen zum Vergleichen, in denen von diesem Konzert berichtet wurde (am 04.03. 1783; vergl. Mecklenburgische Nachrichten, Fragen und Anzeigen, Schwerin, 1783, 9. Stück, und das „Magazin für Musik“, 1783, S. 557). Danach war jedoch immer noch nicht bewiesen, ob es am 04.03.1783 zur Enthüllung eines Denkmals für Carl Philipp Emanuel Bach im Güstrower Rathaus gekommen war. Obwohl nach Kenntnis von Friedrich Schult von diesem Denkmal „keine noch so bescheidene Spur erhalten geblieben ist“, interessierten wir uns weiter für diesen nach unserem Verständnis immer noch ungeklärten Sachverhalt.

-Zunächst übergaben wir den Schriftwechsel Miesner – Schult an Frau Johanna Schult, der Schwiegertochter von Friedrich Schult, die diesen noch einmal vollständig und somit zweifelsfrei für uns transkribierte und uns später noch einen kurzen unveröffentlichten Text von Friedrich Schult über Johann, Carl, Christian Fischer mit einem einzigen Satz zu dem von Fischer enthüllte Denkmal übergab. Hierfür danken wir ihr herzlich. Dieser Satz lautete “Es ist kaum bekannt, daß auf sein Betreiben im Güstrower Rathause das erste Denkmal Carl, Philipp, Emanuel Bachs geweiht wurde (am 4.März 1783; vergl. Mecklenburgische Nachrichten, Fragen und Anzeigen, Schwerin, 1783, 9. Stück, und das Magazin für Musik, 1783, S. 557) ein Denkmal, von dem sich keine noch so bescheidenen Spur erhalten hat.“ - Über die Fernleihe beschaffte uns unsere Güstrower Bibliothek den Mikrofilm „Mecklenburgische Nachrichten“ von der Universitätsbibliothek Rostock und die veröffentlichte Dissertation Heinrich Miesners über C.P.E. Bach (H. Miesner: Philipp Emanuel Bach in Hamburg. Leipzig 1929, Ndr. Wiesbaden 1969) aus Wolfenbüttel. Den Mitarbeiterinnen der Güstrower Uwe Johnson Bibliothek gilt für ihre hilfreiche Unterstützung unser besonderer Dank. Wir bemühten uns ohne Erfolg um die Unterstützung des gebürtigen Güstrower Erich Wolfgang Krüger, heute Professor an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar im Fach Violine und Mitwirkender in verschiedenen Kammerorchestern, die die Werke von C.P.E. Bach international zu Gehör brachten. Wir fanden im Internet Beiträge zur Bach-Forschung des Bach-Archivs Leipzig und setzten uns mir Dr. Wolfram Ensslin in Verbindung, der an einem Forschungsprojekt Bach-Repertorium arbeitet, um von dort Auskunft zum Quellenmaterial bzw. Kopien von den Originaltexten zu erhalten. Wir wollten nicht die aneinander gefügten Zitate mehrerer Autoren verwenden, sondern eine Kopie des „Magazin für Musik“ aus dem Jahre 1783 direkt betrachten. Inzwischen erhielten wir die gewünschte Kopie aus dem Bach-Archiv per E-Mail. Schließlich konnten wir noch in Erfahrung bringen, dass unter der Bezeichnung „Carl Philipp Emanuel Bach: Dokumente zu Leben und Wirken aus der zeitgenössischen Presse 1767 – 1790“ eine Arbeit von Barbara Wiermann von der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelsohn Bartholdy“ Leipzig existiert, in der eine Abbildung des Güstrower Bachdenkmals enthalten sein soll. - In einem Telefongespräch erklärte uns die Autorin, dass es sich bei dem Güstrower Denkmal um eine Zeichnung des Denkmals (möglicherweise um einen Entwurf?) für ein C.P.E. Bach Denkmal handele, welches wahrscheinlich aber nie zur Ausführung gekommen sei. Eine Kopie der Zeichnung Fischers, wie sie seinerzeit im Magazin für Musik erschien, wurde uns zugesandt. Wir danken Herrn Doktor Ensslin vom Bach-Archiv und Frau Barbara Wiermann für ihre hilfreiche Unterstützung zur Klärung der offenen Fragen um das Bachdenkmal in Güstrow. Wir haben lange und intensiv nach einem Denkmal gesucht, welches nach Aussage von verschiedenen achtenswerten Personen, ja teilweise „Experten“, am 04.03.1783 im Güstrower Rathaus enthüllt worden ist bzw. enthüllt worden sein soll bzw. die Angabe Güstrow vermutlich eine Ortsverwechselung sei bzw. vielleicht auch nur sinnbildlich im Rahmen des tatsächlich stattgefundenen Konzertes eine Ehrung für C.P.E. Bachs „dem Vater der deutschen Musiker“ erfolgt sei. Wenn wir auch keine dieser vielen widersprüchlichen Ansichten zu unserer eigenen gemacht haben, so haben wir sie doch alle beachtet und können nun Dank unserer Beharrlichkeit und den heutigen Möglichkeiten der Kommunikation und des Gedankenaustausches die Fragen des Herrn Heinrich Miesner an den Rat der Stadt
Güstrow aus dem Jahre 1925, „Hat dort solches Denkmal gestanden? Steht es noch?“ endgültig befriedigend beantworten.
Es gilt für uns als erwiesen, dass am 04.03.1783 anlässlich eines Konzertes der Güstrower musikalischen Societät im Güstrower Rathaus ein C.P.E. Bach-Denkmal enthüllt wurde. Das Denkmal war nach unseren Erkenntnissen nicht nur eine Zeichnung sondern eine gegenständliche Darstellung, möglicherweise ein erster modellierter Entwurf von Johann,
Carl, Christian Fischer, der persönlich diese Nachricht von der Enthüllung des Denkmals auch an das „Magazin für Musik“ übersandte.
Für ein endgültiges künstlerisch gestaltetes Denkmal zur Ehrung C.P.E. Bachs durch einen namentlich bekannten Künstler im Güstrower Rathaus oder an anderem Orte in Güstrow fanden wir keine Anhaltspunkte.
Wie das Güstrower Denkmal nach den Vorstellungen von Johann, Carl, Christian Fischer einmal aussehen sollte, zeigt die nachstehende Zeichnung, die Teil seiner Nachricht an das „Magazin für Musik“ 1883 war.

Güstrower C.P.E. Bach-Denkmal 1783(?)

Carl Philipp Emanuel Bach, gemalt Johan Philipp Bach 

C.P.E. Bach-Büste, Schauspielhaus Berlin

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